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Putsch in Bretzenheim: Ortsvorsteher Manfred Lippold entmachtet Fastnacht >>>Sturm auf die Ortsverwaltung plus Fahnenhissen an der TSG-Halle

Da ist das Ding! Rüdiger Koch (li.) präsentierte den Rathausschlüssel, während Manfred Lippold (2.v.r.) von Anna Kusche und Kevin Klotz festgenommen wurde. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – Bedrohliche und verstörende Szenen spielten sich am ersten Sonntag des Jahres vor der Bretzenheimer Ortsverwaltung in der Bahnstraße ab. Dort entlud sich der gesamte Volkszorn über das immer noch nicht fertiggestellte Bretzenheimer Rathaus in einem vierfarbbunten Sturm der drei Bretzenheimer Fastnachtsvereine auf die Ortsverwaltung. Das Opfer: Ortsvorsteher Manfred Lippold, der nach kurzem Widerstand aufgeben musste und von der Narrenschar entmachtet und abgeführt wurde.

Manfred Lippold, Florian Kärger, Ludwig Holle und Hans-Peter Rosenhayn (v.l.) hatten sich an der Ortsverwaltung verschanzt. Foto: Oliver Gehrig

Das Protokoll dieses denkwürdigen Umsturzes in der zeitlichen Abfolge: „Rucki zucki“ und „Adelheid“ spielte der Musikzug der Jakobiner zur Eröffnung und lockte so Ortsvorsteher Manfred Lippold (CDU), seine beiden Stellvertreter Florian Kärger (Grüne) und Hans-Peter Rosenhayn (Freie Wähler) sowie Baudezernent Ludwig Holle (CDU) vor die Tür. Anna Kusche von den Bretzenummer Schnattergänsjer verlas den ersten Anklagepunkt: „Ich trau’ mich kaum es auszuspreche’/ unser Rathaus ist immer noch kurz vor’m zusamme’breche!“ Hans-Peter Rosenhayn fragte: „Weihnachten ist doch gerade erst vorbei / was soll all die Narretei?“ CKV-Chef Rüdiger Koch forderte: „Ich ruf’ es aus ganz ohne Bluff / macht die Tür jetzt endlich uff!“ Florian Kärger entgegnete: „Wir kennen unsere Ämterpflicht / die Fassenacht interessiert uns nicht. Die Ortsverwaltung bleibt heut’ zu / denn wir wollen einfach nur unsere Ruh’!“ Kevin Klotz von den Jakobinern blieb hartnäckig: „Hier stehen wir nun wie jedes Jahr / die Narrenmacht, sie ist schon da!“ Ludwig Holle verkündete: „Ich hörte von Fern nen Hilfeschrei / drum eilte ich sofort herbei!“ Er versprach, dass die Verwaltung unter seinem persönlichen Schutz stehe. Zornig wurde Ortsvorsteher Lippold, der mit hochrotem Kopf zur Narrenschar schrie: „Runter von meinem Grundstück!“

„Rucki zucki“ spielte der Musikzug der Jakobiner. Foto: Oliver Gehrig

Allein, es half nichts. Die Revoluzzer nutzten einen kurzen Moment der Unachtsamkeit der Verteidiger. Sie überwältigten den Ortsvorsteher, nahmen ihm den Rathausschlüssel ab und legten ihm Handschellen an. Die Narrenschar quittierte das mit einem dreifachen Helau.

Vor der TSG-Halle wurden die Fastnachtsfahnen gehisst. Foto: Oliver Gehrig

Zu den Klängen den Narhallamarsches ging es abgesichert durch die Freiwillige Feuerwehr Bretzenheim durch den Bretzenheimer Ortskern zur TSG-Halle in der Röntgenstraße. Dort wurden den Politikern im Narrengericht elf Fragen gestellt. Themen waren etwa die Verbesserung der Sportflächen, die Förderung der Kitas und Schulen sowie die Unterstützung der Vereine und der Senioren. Die Politiker gelobten Besserung und sagten „Wir schwören!“

Die Freiwillige Feuerwehr sorgte für die Sicherheit. Foto: Oliver Gehrig

Es folgte das Fahnenhissen der vierfarbbunten Fastnachtsfahnen des CKV „Die Uffstumber“, der Bretzenummer Schnattergänsjer und der Jakobiner. Mit einem Umtrunk in der TSG-Halle endete dieser Tag des Umsturzes doch noch versöhnlich.

 

Oliver Gehrig