
LAUBENHEIM – Nach 7 Jahren als Lehrerin und 17 Jahren als Leiterin an der Grundschule Laubenheim geht Rektorin Marion Jendralski zum 31. Juli 2020 in den wohlverdienten Ruhestand. In einem Gespräch mit Journal LOLAL blickt sie zurück auf ihre pädagogische Tätigkeit und äußert sich zur Zukunft.
Frau Jendraski, die Ziellinie im Blick können Sie auf ein langes und erfülltes Berufsleben zurückschauen. Nennen Sie uns kurz die Stationen Ihrer pädagogischen Tätigkeit.
Nach meinem Studium an der EWH Worms mit den Fächern Grundschulpädagogik und Mathematik erhielt ich einen Vertretungsvertrag in Wiesbaden. Danach absolvierte ich mein Referendariat in Ingelheim. Wegen der „Lehrerschwemme“ bekam ich erst Ende 1984 einen Vertretungsvertrag in Alzey-Weinheim. Im August 1985 erhielt ich eine Planstelle in Ingelheim. 1992 ließ ich mich nach Laubenheim versetzen.1999 ging ich als Konrektorin nach Ingelheim, 2001 wurde ich Konrektorin an der GHS Theodor-Heuss-Schule in Hechtsheim. Seit 2003 bin ich jetzt Rektorin an der Grundschule Mainz-Laubenheim.
Sicherlich gibt es viel Positives, was im Gedächtnis haften bleibt. Nennen Sie uns ein Beispiel.
Es gibt immer wieder Beispiele des vertrauensvollen Zusammenarbeitens mit den Eltern. Es hat mich immer sehr gefreut, wenn man gute Entscheidungen für die Kinder gefunden hat, sei es nun bei der vorzeitigen Einschulung, beim Überspringen oder Wiederholen einer Klassenstufe oder beim Schlichten von Streitigkeiten. Sehr gut in Erinnerung ist mir auch noch die Situation, als ein sehr krankes Kind, das lange im Rollstuhl gesessen hatte, plötzlich wieder laufen konnte. Das war für die gesamte Schulgemeinschaft sehr bewegend.
Aber auch Trauriges, oder?
Der Abschied von den Viertklässlern war jedes Jahr ziemlich traurig. Schließlich hat man die Kinder vier Jahre lang begleitet und es gab immer Kinder, die ihre Grundschule als festen Bezugspunkt besonders gebraucht haben.
In einer Schule als Rektorin tätig zu sein umfasst mannigfaltige Aufgaben. Geben Sie uns einen kleinen Einblick.
Zunächst ist natürlich der Unterricht selbst auch für die Schulleitung ein Schwerpunkt und nimmt einen großen Teil des Schulvormittags ein. Da das Sekretariat nicht täglich besetzt ist, müssen auch diese Aufgaben an den anderen Tagen von der Schulleitung übernommen werden. Die Verwaltungsaufgaben für den Schulträger und die Aufsichtsdirektion sind ein weiterer Bestandteil. Planen und Gestalten von Konferenzen, Personalplanung, Stundenpläne, Schulentwicklung, Organisation des Schullebens und des Schulalltags, Planen von Schulaktionen, Koordination und Kooperation mit anderen Institutionen, Elternarbeit, Elterngespräche, Zusammenarbeit mit Vereinen, Beratungsgespräche, Kooperation mit den Kitas und den weiterführenden Schulen etc. Es ist ein wirklich abwechslungsreiches, vielseitiges Spektrum.
Eine Schule zu leiten bedeutet, diese ständig weiterzuentwickeln. Welche wichtigen Projekte konnten Sie während Ihrer Tätigkeit als Rektorin der Grundschule von Laubenheim anstoßen und erfolgreich umsetzen?
Das Erstellen, Durchführen und Weiterentwickeln von Präventionsprogrammen, z. B. Streitschlichter, faustlos, selbstsicher und stark, Mut tut gut hat mich die letzten Jahre begleitet. Nur wenn Kinder einen Handlungsrahmen angeboten bekommen, können sie ihr Verhalten auch danach richten. Die neue Grundschulordnung von 2008 hat Kolleginnen und Schulleitung vor große Herausforderungen gestellt und muss stetig an die aktuelle Situation angepasst werden. Die Gestaltung unseres Lesezimmers, des Werkraums und die Einweihung der neuen Aula waren schöne Momente. Nach den Sanierungsplanungen gibt es nun viele Diskussionen zur Planung des Neubaus.
Welche Aufgabe lag Ihnen während Ihrer ganzen Berufstätigkeit als Lehrerin besonders am Herzen?
Die Erweiterung des Betreuungsangebots am Nachmittag hat mir immer sehr am Herzen gelegen und ich bin sehr froh, dass wir in Laubenheim so viele engagierte und verantwortungsbewusste Eltern haben, die diese Arbeit ehrenamtlich als Verein übernommen haben.
Während eines langen und erfüllten Berufslebens begegnet man vielen, sehr unterschiedlichen Menschen. Auf welche Begegnung schauen Sie besonders dankbar zurück?
Im Jahr 2006 fand ein Treffen mit Vertretern der Stadt, der GWM, der Musikschule Christ, den Elternvertretern und der Schulleitung statt. Es sollte geklärt werden, in welchem Raum die Schule ihr Lesezimmer einrichten könnte. Angedacht war ein großer Klassenraum im Keller. Beim gemeinsamen Begehen der Räume kamen wir während des Gesprächs auf die Idee, den Werkraum zu teilen und aus dem sich daraus entstehenden kleinen Raum ein Lesezimmer zu gestalten. Dessen Kosten übernahm der Förderverein der Grundschule. Der große Klassenraum konnte weiterhin der Musikschule zur Verfügung gestellt werden. Heute würde man sagen: eine typische win-win-Situation.
Schule und LehrerInnen stehen häufig in der Kritik. Jede/r hat eine Schule besucht und meint, mitreden zu können. Sehen Sie in der derzeitigen Corona-Krise eine Chance, dass das öffentliche Bild von Schule sich wandelt?
Im Prinzip finde ich es gut, wenn Eltern in der Schule mitreden, denn schließlich sollen sie sich ja um ihre Kinder kümmern und sich für sie einsetzen. In der Corona-Krise haben wir viel Unterstützung und positive Rückmeldungen durch die Eltern erhalten. Es gab aber auch kritische und konstruktive Anmerkungen. Daraus kann und sollte man lernen.
Man soll keine Ratschläge erteilen. Möchten Sie Ihrer Nachfolge etwas mit auf den Weg geben?
Ich wünsche meiner Nachfolgerin viel Glück und Kraft, um die anstehenden Aufgaben zu lösen. Außerdem hoffe ich, dass die Schulgemeinschaft weiterhin so gut zusammenhält wie bisher.
Am 1. August beginnt Ihr wohlverdienter Ruhestand. Haben Sie besondere Pläne?
Das werde ich gemeinsam mit meinem lieben Mann besprechen.
Frau Jendralski, Journal LOKAL dankt Ihnen für das Gespräch und wünscht Ihnen alles Gute für Ihre persönliche Zukunft.
Die Fragen stellte Ulrich Nilles