
HARTENBERG-MÜNCHFELD – In einer mit mannigfaltigen Sorgen belasteten Zeit gerät manchmal in Vergessenheit, dass viele Menschen, darunter sehr viele Kinder auf der Erde in großen Existenznöten leben. Mit ihrer „Aktion Dreikönigssingen“, der weltweit größten Kinder-Solidaritätsaktion, stellt die katholische Kirche jährlich eine Region vor. In diesem Jahr steht Amazonien/Südamerika im Fokus der Aufmerksamkeit.
16 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 15 Jahren stellen sich im Eingangsbereich der Ortsverwaltung von HaMü auf. An den Kronen erkennbar sind sie als Königinnen und Könige verkleidet und führen Sterne mit sich. Die Sternsinger der Pfarrei St. Rabanus Maurus.
Zunächst tragen sie einen Text zum diesjährigen Haussegen in verteilten Rollen vor. Darin wird der Wunsch nach Frieden für alle Menschen und jedes Haus zum Ausdruck gebracht. Die Welt möge heller werden und Kindern mit den gesammelten Gaben eine Zukunft ermöglichen. Dann singen sie das weithin bekannte „Stern über Bethlehem“ und „Frieden für die Kinder“. Zum Abschluss bringen sie ein Täfelchen mit den bekannten Abkürzungen 20 ӿ C + M + B + 24 an der Eingangstür der Ortsverwaltung an. Landläufig als Caspar, Melchior und Balthasar verstanden verbirgt sich hinter den Buchstaben in Latein die Bitte „Christus Mansionem Benedicat“, ins Deutsche übersetzt: „Christus segne dieses Haus“.
Ortsvorsteherin Christin Sauer bedankt sich bei den Sternsingern. „Mit eurem Engagement setzt ihr ein Zeichen und unterstützt Kinder in entfernten Regionen der Welt, die es nicht so leicht haben wie wir.“ Zur Belohnung gab es reichlich Süßigkeiten und ein Beitrag raschelte in die mitgebrachte Spendenbox.
Was so selbstverständlich aussah, hatte eine intensive Vorbereitungszeit. Nicht nur, dass Kostüme gerichtet, Sterne und Kronen gebastelt sowie Texte und Lieder eingeübt werden mussten. Die sternsingenden Kinder und Jugendlichen erhielten auch umfangreiche Informationen über Amazonien und die Lebensbedingungen der dort lebenden Kinder. Dazu stellt die „Aktion Dreikönigssingen“ unter www.sternsinger.de altersgerechte Materialien kostenfrei zur Verfügung: eine ansprechende Bildergalerie, ein lesenswertes Dossier zum Thema „Klima, Umwelt und Kinderrechte“ und die 20-minütige Filmdokumentation „Willi in Amazonien“. Willi ist dorthin gereist, um im Dreiländereck Kolumbien/Brasilien/Peru Kindern in ihrem Outdoor-Klassenzimmern zu begegnen. Sie lernen unter anderem, wie man Bäume pflanzt und regionale Gericht zubereitet. Seit über 20 Jahren arbeiten die deutschen Sternsinger die lokale kolumbianische Organisation „Wege der Identität“ (FUCAI) dort zusammen, um Kindern eine Perspektive zu geben. Der Film wird ergänzt durch ein Quiz und ein Werkheft.
Zum ersten Mal verantwortlich für das Sternsingen der Rabanus-Gemeinde war Dominika Korn. Selbst früher Messdienerin und aktuell jüngstes Mitglied im Pfarrgemeinderat hat sie in Teamarbeit mit der Pfarrei St. Johannes Evangelist im Münchfeld die Sternsingeraktion 2024 vor Ort vorbereitet. Die Idee zum Besuch der Ortsverwaltung sei anlässlich des Adventsmarkts der Gemeinde Ende November 2023 entstanden, erzählt die junge Frau im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir kommen gerade vom SWR, waren aber auch schon bei der Bundesbank im Münchfeld, der Rabanus-KiTa und im King-Park unterwegs.“
Ein beispielhafter ehrenamtlicher Einsatz, der große Anerkennung verdient und zum Nachahmen auch im außerkirchlichen Bereich einlädt.
Ulrich Nilles