WEISENAU – Ein Mittwoch im Januar im Kulturheim Mainz-Weisenau: 500 Plätze, alle besetzt. Die Damensitzung des Carneval Clubs Weisenau (CCW) ist seit mehr als 70 Jahren ein fester Termin im Fastnachtskalender. Hier wird Gemeinschaft gelebt, Tradition gepflegt und Mainzer Humor in all seinen Facetten zelebriert. Sitzungsleiterin ist Anne Sartoris, die souverän und charmant durchs Programm führt. Ihr Elferrat trägt maßgeblich zur herzlichen Atmosphäre bei. Die „Kapelle Peter Müller“ und die Big Band „Sound of Weisenau“ unter Leitung von Marlena Pittales sorgen für den perfekten Soundtrack, ob durch mitreißende Medleys oder Fastnachtsmelodien. Und Anne Sartoris verkündet stolz: „Der CCW feiert mit Musik und Helau – 25 Jahre Sound of Weisenau!“
Besondere Highlights sind natürlich die CCW-Tanzgruppen. „Die Burg11en“ zeigen mit der Choreografie zu „It’s Magic“, dass der Nachwuchs nicht nur talentiert, sondern auch perfektionistisch ist. Fünf Mini-„Burgis“ tanzen dabei so selbstbewusst und charmant, als gehörten sie schon seit Jahren zur Truppe. Das Showballett „Magic Moves“ begeistert mit einer hinreißenden, tänzerisch-akrobatischen Choreografie als Spielkarten, präzise, kreativ und energiegeladen. Das sportliche Gardeballett erobert die Bühne dann zum großen Finale.

Die Männer der „First Generation“ aus Dienheim überraschen als seelenvolle Gigolos mit einer akrobatischen Darbietung zu italienischen Klängen – und als Woody Feldmann ihren Einzug live mit „O Sole mio“ begleitet, ist die Freude im Saal kaum zu toppen. Später begeistert Laura Müller mit ihrer kraftvollen Stimme und emotionalen Interpretationen von „Tausend Mal berührt“ und „Hello“ von Adele – Gänsehaut pur! Da staunen auch die „Rumpelfüßler“, die ihrem Namen alle Ehre machen.
Doch die Damensitzung wäre nicht komplett ohne ihre Vortragskünstler, die mit Wortwitz, Charme und viel Selbstironie das Publikum in ihren Bann ziehen. Ein grandioser Redner ist Bernhard Knab als „Deutscher Michel“. Mit scharfem Blick und noch schärferer Zunge hält er Politikern und Gesellschaft den Spiegel vor. Sein Protokoll ist eine Mischung aus kritischer Reflexion, humorvollen Pointen und einem klaren Appell: „Ich sage die ungeschminkte Wahrheit – das sollten die Politiker auch tun.“ Jutta Hinderberger als „Kättl Feierdaach“ bringt mit ihren Geschichten von „Moiner“, ihrem Gatten, und von den Höhen und Tiefen einer Ehe den Saal zum Kochen. Einige Damen erkennen sich wohl wieder bei den alltäglichen Herausforderungen des Zusammenlebens.

Und Woody Feldmann ist sowieso DIE Ikone der Damensitzung. Mit markanter Stimme und ihrer unnachahmlichen Art schmettert sie Opernarien genauso wie Schunkel- und Mitsinglieder. Sie selbst sagt von sich, sie sei „nicht transgender, sondern eher ein dicker Hobbit“ – und genau diese Selbstironie macht sie so sympathisch. Marcus Schwalbach, bekannt als „Gardist“, tritt diesmal als „Hofsängernachwuchs“ auf – eine Rolle, die ihm sein Freund „Knärzche“ eingebrockt hat. Die Geschichte vom Jaguar in der offenen Garage sorgt für Lachsalven und zeigt, wie der „Gardist“ mit scheinbarer Naivität und viel Wortwitz das Publikum für sich gewinnt.
„Ernst Lustig“ alias Jürgen Wiesmann begeistert als Hobby-Dogging-Vertreter mit einem unsichtbaren Hund namens „Herr Söder“. Seine Geschichten vom Alltag sind so absurd wie unterhaltsam: der Saugwisch-Roboter, der ihn angreift, oder die „Klimadings“, die ihm das Leben schwer macht. Besonders seine Schilderung bei „Sörens Vater Tjorben“ zeigt, wie aus kleinen Missgeschicken große Comedy wird.

Zuletzt entführt die „Herpes House Band“ das Publikum ins Mittelalter – genauer gesagt in eine Arztpraxis, die ihren Namen nicht verdient. Die Patienten, allesamt mit dem Nachnamen „Feldmann“, leiden unter den seltsamsten neurologischen Störungen. Die Männer zeigen, wie man mit Kreativität, Musik und viel Absurdität das Publikum unterhält.
Als am Ende alle die Bühne stürmen, ist klar: Die Damensitzung des CCW ist ein Fest der Gemeinschaft, der Musik und des Mainzer Humors mit einer großen Portion Lebensfreude.
Sabine Longerich
























