
MOMBACH – Auf dem Abstecher zum Mainzer Sand loht sich in Mombach der Weg über den Käthchen-Frödert-Weg. Von Bäumen beschattet am Freibad vorbei geführt ist,dient er jetzt auch als ein Nistkastenparcours. An mehreren Informationstafeln, die zum Teil mit QR-Codes versehen sind, die ein Sammelsurium an Informationen über die beflügelte Fauna bieten, gleicht er aus Menschensicht einem Lehrpfad.
Entlang des Weges und über die Obere Kreuzstraße hinaus in Richtung Mainzer Sand hängen seit Kurzem 17 Wohn- und Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Bilche, und darin liegt die eigentliche Bestimmung des Nistkastenparcours. Er soll Tieren im Stadtraum neue Rückzugsorte bieten, welche Arten in Mombach vorkommen.
Anstoß aus dem Ortsbeirat
Angestoßen wurde das Projekt vom Ortsbeirat Mombach. Ziel war eine ökologische Aufwertung der Grünverbindung, die viele Menschen auf dem Weg in Richtung Mainzer Sand nutzen. Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) stellte bei der Einweihung den Artenschutz in den Mittelpunkt. „Es geht um Biodiversität, es geht um den Erhalt von Arten“, sagte sie. Gemeint seien nicht nur Arten, die bereits selten geworden seien, sondern auch solche, „von denen wir auch nicht wollen, dass sie noch seltener werden“.
Mehr als nur Singvögel
Der Parcours richtet den Blick deshalb nicht nur auf Singvögel. Auch Fledermäuse, Käuze, Eulen und Gartenschläfer spielen eine Rolle. Gerade für den Gartenschläfer sei die Region bedeutsam, betonte Steinkrüger: Mainz und Rheinhessen seien ein „Hotspot für Gartenschläfer“. Die künstlichen Nisthilfen sollen dort ansetzen, wo natürliche Lebensräume im Stadtraum verloren gehen.

Wenn Lebensräume verschwinden
Steinkrüger nannte alte Bäume mit Höhlen, aber auch Gebäude als wichtige Rückzugsorte. Durch energetische Sanierungen verschwänden viele Nischen, Spalten und Hohlräume. Ein neues Dach oder eine möglichst dichte Wand verbesserten zwar die Energiebilanz, könnten aber dazu führen, dass Gebäudebrüter ihre angestammten Plätze verlieren. Auch alte Höhlenbäume könnten in der Stadt nicht immer stehen bleiben, weil die Verkehrssicherung berücksichtigt werden müsse. Umso wichtiger sei es, ergänzende Nisthilfen anzubieten.
Lernort am Wegesrand
Der Parcours ist zugleich als Lernort angelegt. Bernhard Katein vom städtischen Grün- und Umweltamt hob neben dem ökologischen Nutzen besonders den pädagogischen Ansatz hervor. Es gehe darum, „die Bevölkerung mitzunehmen“ und ihr Natur näherzubringen. Kinder, Kindergartengruppen, Schüler und Eltern sollten sehen können, „was für Vogel- und Tierarten überhaupt so auch in der Stadt vorkommen“. Der Parcours solle sensibilisieren und zugleich zeigen, dass Bürger selbst etwas zum Artenschutz beitragen können.
Vom Wald zum Offenland
Auch die Route ist bewusst gewählt. Katein beschrieb den ersten Abschnitt als waldartig und etwas dunkler. Dort passen Arten, die eher an Waldstrukturen gebunden sind, etwa der Kleiber. In Richtung Mainzer Sand öffnet sich die Landschaft. Dort rücken Arten des Offenlands stärker in den Blick. Im hinteren Bereich gibt es nach Angaben des Grün- und Umweltamtes unter anderem Brutmöglichkeiten für den Steinkauz. Mit etwas Glück könne auch der Wiedehopf profitieren, der im Großraum Mainzer Sand vorkomme.
Schnelle Umsetzung gelobt
Ortsvorsteher Christian Kanka (SPD) dankte dem Dezernat, dem Grün- und Umweltamt und allen Beteiligten für die Umsetzung. Der Antrag aus dem Ortsbeirat sei rasch aufgegriffen worden, obwohl Planung, Abstimmung und Aufbau „wirklich nicht wenig Arbeit“ bedeuteten. Der Standort sei gut gewählt, sagte Kanka. Ein Bürger habe ihn bereits auf die Aufwertung des Weges angesprochen. Der Parcours sei eine „gute Erweiterung und Ergänzung“ für den Stadtteil. Mit Blick auf die künftigen Bewohner der Kästen sagte Kanka: „Jetzt bin ich gespannt, ob was reinkommt.“
Gebaut im Rahmen einer Maßnahme
Gebaut und angebracht wurden die Nisthilfen nicht im klassischen Ehrenamt, sondern beim Verein Lernen Fördern im Rahmen einer Jobcenter-Maßnahme. Die Maßnahme des Vereins Lernen und Fördern trägt den Namen „Nutzinsekten“. Die Teilnehmer fertigten die Kästen nicht nur handwerklich an, sondern beschäftigten sich zuvor mit den jeweiligen Tierarten. Sie recherchierten, welche Anforderungen die Tiere haben und welche Bauweise für die Nisthilfen geeignet ist. Der Verein arbeitet in diesem Bereich seit fünf Jahren mit dem städtischen Grün- und Umweltamt zusammen.























