
OPPENHEIM – Bevor Uwe Trump über das Team Grenzenlos spricht, referiert er über das, was vorher nötig war: Trainer, Helfer, Ausbildung, Sicherheit, ein Konzept. Die Inklusion sollte beim Kanu-Club Oppenheim, dem er angehört, nicht eines Tages als bloße Absicht versanden. Sie soll auf dem Wasser funktionieren. Die intensive Vorbereitung hat sich gelohnt. Inzwischen ist aus der Idee ein festes Angebot geworden: ein Team mit dem programmatischen Namen „Team Grenzenlos“.
Ein weiter Begriff von Inklusion
Zum Team gehören fünf Teilnehmer mit geistiger Beeinträchtigung, zwei mit Lernbeeinträchtigung, und Kinder und Jugendliche, die aufgrund familiärer oder sozialer Umstände besondere Unterstützung brauchen.

Auch sie sind an Bord, schlicht weil der Verein die Inklusion weit versteht. „Inklusion heißt ja, Menschen, die sich seitlich der Gesellschaft befinden, mitzunehmen“, formuliert Trump. Das Team mit dem richtungweisenden Titel öffnet den Teilnehmern gleich mehrere Zugänge: zum Verein, zur Gemeinschaft und letztendlich zur Gesellschaft, genauso aber zum eigenen Ich.
Verlässliche Begleitung auf dem Wasser
Die Tür geht auf, sobald es um das Einüben von Verlässlichkeit oder das Zutrauen geht, sich aufs Wasser zu wagen. Solche Schritte über eigene Grenzen hinaus brauchen freilich eine verlässliche Begleitung. Trump hat sich dafür gezielt fortgebildet, unter anderem als Übungsleiter im Breitensport und als Reha-Übungsleiter für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.

„Die Sicherheit geht vor“, betont Trump. Der Verein hat zusätzliche Rettungsschwimmer ausgebildet, beim Training sind weitere Begleiter auf dem Wasser. Wenn ein Boot kippe oder jemand Hilfe brauche, müsse sofort reagiert werden können.
Erfolg zeigt sich im Lächeln
Seine Erfolge misst der Club gerne mit dem Lächeln der Teilnehmer. Der mutige Schritt ins Boot sei für das Trainer- und Begleiter-Team Lohn genug, heißt es in Gesprächen. Der andere Erfolg bildet sich in der Kontinuität ab: Die Gruppe ist zusammengeblieben, obwohl in dieser Zeit nicht regulär auf dem Rhein trainiert werden konnte. Es kam noch besser: „Wir haben sogar Zuwachs bekommen.“ Trockenübungen an Land, etwa das Einsteigen, Bewegungsabläufe und der Umgang mit Material, hielten die Teilnehmer bei der Stange.
Förderung und Vereinsbasis
Ohne Unterstützung von außen wäre das Projekt kaum möglich gewesen. Dazu zählen die Impulsprämie des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, die Inklusionsprämie des Landkreises Mainz-Bingen sowie Unterstützung durch die Stadt Oppenheim.
Freilich trägt Geld allein kein solches Angebot. Der Kanu-Club bringt gute Voraussetzungen mit, das Integrationsprojekt zu tragen. Er zählt rund 400 Mitglieder und profitiert von starker Jugendarbeit, Kooperationen mit Schulen und kurzen Wegen zu anderen Kanuvereinen in der Region.
Nachhaltigkeit und Ausblick
Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Der Club arbeitet mit dem NABU zusammen, engagiert sich im Umfeld des Deutschen Kanu-Verbandes und wurde bereits ausgezeichnet. Im kommenden Jahr wird der Verein 60 Jahre alt. Das Team Grenzenlos zeigt im Vorfeld, wohin die Reise führen kann, wenn die Mitglieder bei der Vereinsarbeit die Inklusionsbrille aufsetzen.
von Gregor Starosczyk-Gerlach






















