
BERLIN/MAINZ-MOMBACH – Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, und der Druck auf die Verantwortlichen ist zuletzt enorm geworden: Nach monatelangen und zahlreichen Protesten gegen die Sperrung der Anschlussstelle Mainz-Mombach und dem jüngsten, parteiübergreifenden Schulterschluss im Mainzer Stadtrat kommt Bewegung in die Zukunft der maroden Vorlandbrücke an der A643. Die Autobahn GmbH des Bundes und das Bundesministerium für Verkehr haben beschlossen, den dringend erforderlichen Ersatzneubau der Vorlandbrücke innerhalb des laufenden Planfeststellungsverfahrens zu priorisieren und die Planungen zu beschleunigen.
Sechsstreifige Ausbau der A643 bleibt Bestandteil des Gesamtprojekts
Nach Angaben der Autobahn GmbH soll sich das laufende Verfahren zunächst auf die Erneuerung der Vorlandbrücke konzentrieren. Damit kann der Ersatzneubau vorgezogen werden. Möglich wird dies durch eine geänderte Planung mit einer kürzeren Brücke, die Eingriffe in das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet reduziert. Dadurch ist eine Zustimmung der Europäischen Kommission nicht mehr erforderlich. Der sechsstreifige Ausbau der A643 bleibt Bestandteil des Gesamtprojekts. Für den verbleibenden Abschnitt soll eine überarbeitete Planung mit geringerem Flächenbedarf im Naturschutzgebiet erarbeitet werden.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder erklärte: „Wir sorgen für ein Comeback der Infrastruktur. Eine leistungsfähige, sichere und moderne Verkehrsinfrastruktur ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland von zentraler Bedeutung. Zusammen mit der Autobahn GmbH haben wir alle Möglichkeiten geprüft, um die Vorlandbrücke Mainz-Mombach zeitnah zu erneuern. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, uns im Planfeststellungsverfahren auf die Brücke zu konzentrieren. Damit rückt die bauliche Umsetzung dieses wichtigen Vorhabens nun deutlich näher.“
Wirtschaft tagtäglich vor große Herausforderungen
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, Dr. Michael Güntner, verwies auf die Folgen der Sperrung: „Die seit Oktober 2025 bestehenden verkehrlichen Einschränkungen in der Anschlussstelle Mainz-Mombach stellen die Menschen und die Wirtschaft tagtäglich vor große Herausforderungen. Mit dem Fokus auf die Vorlandbrücke Mainz-Mombach im laufenden Baurechtsverfahren kann die Autobahn GmbH den dringend notwendigen Ersatzneubau baulich vorziehen.“
„Erheblichen Belastungen für die Menschen in Mombach“
Der Mainzer SPD-Bundestagsabgeordnete Daniel Baldy und der Mombacher Ortsvorsteher Christian Kanka begrüßten die Entscheidung. Sie sehen darin ein wichtiges Signal für Mombach und die gesamte Region. Baldy betonte zugleich, die Priorisierung des Brückenersatzes nehme die Entscheidung über den weiteren Ausbau der A643 nicht vorweg. Er hält weiterhin an der sogenannten 4+2-Lösung und am Schutz des Mainzer Sands fest. Kanka verwies auf die erheblichen Belastungen für die Menschen in Mombach und das Industriegebiet und forderte, den Ersatzneubau nun zügig umzusetzen.
Auch die CDU Mainz begrüßte die Entscheidung. Die Vorsitzenden der CDU Mombach, Karin Lieber, und der CDU Gonsenheim, Torsten Rohe, bezeichneten den Schritt als Ende eines jahrelangen Stillstands bei einem der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Region. Angesichts der Sperrung der Anschlussstelle und des Ausweichverkehrs in Mombach und Gonsenheim werde deutlich, wie dringend leistungsfähige Verkehrswege benötigt würden. Die CDU dankte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ausdrücklich für seinen Einsatz und bekräftigte ihre Unterstützung für den Ausbau der A643.
Stadtrat für eine dauerhafte, umweltschonende Lösung
Bereits in seiner Juni-Sitzung hatte der Mainzer Stadtrat mit den Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD, Die Linke, FDP und ÖDP eine gemeinsame Resolution verabschiedet. Darin fordert das Gremium eine kurzfristige Lösung für den Verkehr an der Anschlussstelle Mainz-Mombach sowie einen zügigen Ersatzneubau der Vorlandbrücke innerhalb der bestehenden Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig spricht sich der Stadtrat für eine dauerhaft leistungsfähige, verkehrssichere sowie flächen- und umweltschonende Lösung aus. Bund, Autobahn GmbH und das Land Rheinland-Pfalz werden aufgefordert, ihr Vorgehen eng abzustimmen und die Öffentlichkeit sowie die Landeshauptstadt Mainz transparent über den Fortgang der Planungen zu informieren.
Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach
Informationen zum Projekt sind auf der Homepage der Autobahn GmbH abrufbar.























