KREIS GROSS-GERAU – Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen ist ein jährlich am 25. November stattfindender Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form an Frauen und Mädchen. Denn Gewalt gegen Frauen ist noch immer alltäglich und für die meisten Betroffenen, aber auch in deren Umfeld ein Tabuthema.
Im Rahmen des Aktions- und Gedenktags gibt es international thematische Veranstaltungen zur Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen. Geschichtlicher Hintergrund für die Initiierung des Aktionstags war der Fall der Schwestern Mirabal, die am 25. November 1960 vom Geheimdienst der Dominikanischen Republik ermordet wurden. Auch heute, mehr als 60 Jahre später, sind Frauen weltweit mit struktureller Gewalt und Menschenrechtsverletzungen konfrontiert. Veranstaltungen am 25. November sollen das Bewusstsein dafür schärfen und die Verantwortung von Politik, Gesellschaft und Medien verdeutlichen, geschlechtsspezifische Gewalt zu benennen und wirksam zu bekämpfen.
Die extremste Form geschlechtsspezifischer Gewalt sind Femizide, die vorsätzliche Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts bzw. weil sie gegen traditionelle Verhaltens- und Rollenvorstellungen verstoßen haben. Oftmals geschieht die Ermordung durch den (Ex-)Partner oder Familienmitglieder. Hinter solchen Taten stehen patriarchale Machtverhältnisse, die sich in Besitzanspruch, Kontroll- oder Dominanzverhalten zeigen. Femizide sind keine Einzelfälle und keine tragischen „Beziehungstaten“ oder „Familienstreits“. Solche Bezeichnungen verharmlosen die Tat und verschleiern, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt. Femizid umfasst auch den Begriff des „Ehrenmords“, bei dem Frauen zur Wiederherstellung der vermeintlich verletzten Familienehre ermordet werden.
Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu 1000 Frauen und Mädchen Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten, deren Täter mehrheitlich männlich sind. Der Mann ist fast immer aus dem privaten und sozialen Umfeld. 2023 wurden laut Bundeskriminalamt 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten. Dies entspricht einem Anteil von 32,3 Prozent aller Opfer von Tötungsdelikten. Insgesamt wurde 2023 360 Mädchen und Frauen Opfer vollendeter Taten. Demnach gab es beinahe jeden Tag einen Femizid in Deutschland. Auch im Kreis Groß-Gerau gab es im vergangenen Jahr drei vollendete oder versuchte Femizide in Mörfelden-Walldorf, Ginsheim-Gustavsburg und Rüsselsheim.
Um Femizide sichtbar zu machen, veranstaltet das Büro für Frauen und Chancengleichheit des Kreises Groß-Gerau in Kooperation mit Frauen helfen Frauen e.V. und den Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Groß-Gerau am 25. November von 10-14 Uhr einen Aktionstag auf dem Marktplatz in Groß-Gerau.
Weitere Aktionen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und -initiativen im Kreis Groß-Gerau:
Nauheim: Vom 25. bis 28. November gibt es am Rathaus in Nauheim eine Fahnenaktion.
- Mörfelden-Walldorf: In der Zeit vom 25. November bis 10. Dezember werden die Fahnen von Terre des Femmes vor den Rathäusern in Mörfelden und Walldorf sowie am Evangelischen Gemeindezentrum gehisst. Des Weiteren werden der Wasserturm in Mörfelden und der Waldenserhof orange angestrahlt.
- Riedstadt: Online-Vortrag zum Thema „Grenzen setzen lernen“: Insbesondere Frauen fällt es oftmals schwer, Nein zu sagen, wenn sie um einen Gefallen oder eine Mitarbeit gebeten werden. Unter dem Titel „Nein ist ein vollständiger Satz – Grenzen setzen lernen“ bietet die Riedstädter Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Jennifer Muth in Kooperation mit dem Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit am Mittwoch, 26. November, um 19 Uhr eine Online-Veranstaltung mit der Referentin Tessa Koschig an. Der Vortrag ist kostenfrei. Die Anmeldung erfolgt über die E-Mailadresse frauenbeauftragte@riedstadt.de oder direkt über den Einwahl-Link: https://buero-f.webex.com/weblink/register/re6ae7d0a3ae3749f2f4222add5bae615
- Trebur: Literarische Lesung am 25. November um 19 Uhr: Die Autorinnen Anette Welp und Britta Röder lesen im Café Wunderbar, Kleine Grabengasse 7 in Trebur, aus eigenen und ausgewählten literarischen Texten. Im Mittelpunkt stehen eindrucksvolle Geschichten über Gewalt an Frauen – emotional, körperlich, strukturell –, aber auch über Mut, Widerstand und den Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Im Anschluss sind alle Besucher*innen zu einem offenen Gespräch eingeladen. Der Eintritt ist frei.
- Rüsselsheim: 25.11. Kundgebung „Nein zu Gewalt an Frauen und Mädchen“ 12 Uhr am Rathaus // Kunstaktion „Awareness & Art“ 18.30 Uhr am Marktplatz // Klavierkonzert „Im Gedenken“ 19 Uhr in der Stadtkirche (Marktplatz 7); 26.11. „Sich selbst schützen!“ Selbstbehauptungskurs von Frauen für Frauen um 17 Uhr, Haus der Stadtkirche (Marktplatz 7) mit Anmeldung: 27.11. Ausstellungseröffnung „Rebellinnen – Frauen verändern die Welt“ 17 Uhr, Haus der Senioren (Frankfurter Straße 12);
1.12. Vortrag und Online-Workshop „Feministische Außenpolitik“ mit Dr. Andrea Günther, 19 Uhr, online, mit Anmeldung // 4.-7.12. Stand auf dem Weihnachtsmarkt mit Auftritt des Internationalen Frauenchores Lalei Ladies am 6.12. um 16 Uhr; 4.12. Orange Days im Just – Kreativ und Stark gegen Gewalt, 15 Uhr Just – Kinder- und Jugendtreff (Friedensplatz 3); 8.12. Kunst-skulptur gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und für ein freies selbstbestimmtes Leben im öffentlichen Raum, 18 Uhr, Galerie Die Taube (Europaplatz 6); 10.12. Filmabend „Die Rollbahn“, 19 Uhr, Das Rind (Mainstraße 11). Weitere Informationen und Anmeldung: main-ruesselsheim.de
Der Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau























