BODENHEIM – Kurz nach 21 Uhr in Bodenheim, es wird dunkel, kein Regen und kaum Wind: ideales Wetter für Bodenheims nachaktive Bewohner, die Fledermäuse. Mehr als 50 Kinder und Erwachsene sind der Einladung der Bodenheimer Naturschutzgruppe unter Leitung von Torsten Jäger gefolgt: Sie wollen an diesem Abend die Fledermäuse kennenlernen. Selbst die Kleinsten verfolgen bis nahezu 23 Uhr aufmerksam, was Jäger über die nächtlichen Flugkünstler berichtet, schließlich ist am nächsten Tag schulfrei.

Pünktlich um 21.15 Uhr setzt sich die Gruppe in Bewegung, um den wichtigsten Lebensraum der Fledermäuse in Bodenheim zu erkunden. Von der Kita Abenteuerwiese geht es durch Wiesen zunächst zum Kapellengraben, denn hier ist laut Jäger „nachts die Hölle los“. Dort bieten alte Bäume, ein ruhiges Umfeld und wenig Lichtverschmutzung ideale Bedingungen für die kleinen Flieger. Noch ist das so, aber die alten Bäume sterben zunehmend ab, der natürliche Wohnraum wird immer kleiner. Mit speziellen Fledermaushöhlen wollen die Naturschützer jetzt Alternativen bieten. Die Gruppe wurde für ihre Arbeit von „Leader Rheinhessen“ ausgezeichnet und die erhaltenen Fördergelder werden für drei Höhlen genutzt.
Jäger visualisiert auf seinem Tablet zunächst die bio-akustischen Signale („Rufe“) der kleinen Flieger. Für das menschliche Ohr sind sie nicht wahrnehmbar, aber die Tierchen sind da. Das Tablet beweist es und einige aufmerksame Kinder haben sie schon am nächtlichen Himmel erspäht. Jäger erklärt, dass man an den Rufen die Art der Fledermaus erkennen kann. In Bodenheim werden wohl bisher in erster Linie Zwergfledermaus, Mücke und der Große Abendsegler identifiziert, deutschlandweit gibt es 25 Arten. „Der Lebensraum der Fledermäuse und ihrer Nahrung, der Falter, schwindet zusehends,“ erklärt Jäger. Häuser werden gedämmt, so dass sich dort keine Wohnmöglichkeiten mehr bieten, der alte Baumbestand sinkt, es ist zu hell durch Straßenlaternen, Bebauung und Infrastruktur. Ein Fakt: Fledermäuse leiden unter Vollmond-Phobie. Dabei sind die Fledermäuse so wichtig für den Naturkreislauf. Denn die nur fünf Gramm schwere Zwergfledermaus, die in eine Streichholzschachtel passt, vertilgt pro Nacht fast 670 Stechmücken – so ein Haustier wünscht sich doch jeder, um ruhig schlafen zu können.

Jäger vermittelt faszinierende Fakten: „Sie fliegen mit ihren Händen, sie sehen mit den Ohren, sie orientieren sich mit einem Magnetsinn. Mitteleuropäische Arten sind Insektenfresser, sie werden bis zu 40 Jahre alt.“ Die hiesigen Fledermäuse fliegen in maximal 120 Meter Höhe, erreichen eine Geschwindigkeit bis zu 60 Stundenkilometer, die größte, der Riesenabendsegler, hat eine Spannweite von 45 Zentimeter.
Ausgerüstet mit diesen Hintergrundinformationen zieht die Gruppe weiter bis zum Erlebensraum der Naturschutzgruppe an der Kapellenstraße. Hier erwartet die Teilnehmer ein Freiluftkino mitten im Grünen. Bänke, Beamer, Laptop – Vorhang auf für weitere interessante Details aus dem Leben der Fledermäuse. Zur Freude aller zeigt der Naturschützer Fotos von kleinen Fledermäusen, die aus dem Nest gefallen waren, und die er aufgepäppelt hat. Zur Anschauung hatten die Naturschützer ein beleuchtetes Glas mit einer Fledermaus darin aufgehängt – natürlich keine echte.

Jäger entlässt die wissensdurstigen Gäste nach einem faszinierenden Ausflug mit der Bitte, mit dafür zu sorgen, dass die natürlichen Habitate der Fledermäuse bestehen bleiben: Bäume, auch Totholz, müssen unbedingt erhalten bleiben. Fledermaus freundlich sei auch eine Hausdämmung, die ihnen noch Einlass bietet. Eine kleine Wasserstelle sei gut und vor allem: Licht aus. Dann geht`s der Fledermaus und ihrer Nahrung, den Faltern, gut.
Sabine Longerich

























