
MOMMENHEIM – Wenn Gertrud Schäfer von ihrem Dienstagvormittag erzählt, klingt das wie eine Auszeit vom Alltag, die einen Motivationsschub gibt. Die 84-Jährige nimmt seit der ersten Stunde am Mommenheimer Gedächtnistraining teil. Der Mut, sich aufzuraffen und das Angebot der evangelischen Kirchengemeinde in Mommenheim auszuprobieren, hatte ihr damals nicht gefehlt. Das sei wohl ihr Charakter, meint sie im Gespräch mit Journal LOKAL. Der habe sich über die Jahrzehnte nicht geändert. Zum Glück: „Ich bin aufgeschlossen und hatte keine Angst hinzugehen“, sagt sie.
Bis heute ist sie als eine der treuesten Übungsteilnehmerinnen dabeigeblieben und kann gleich mehrere Begründungen liefern: die Gesprächsrunden, die Aufgaben, die man lösen muss, das gemeinsame Lachen. All das hält aus ihrer Sicht den Geist wach. „Wenn ich nach Hause komme, denke ich über vieles nach, was sonst gar nicht aufgefallen wäre.“ Selbst knifflige Übungen bereiten ihr Freude. „Da muss man das Gehirn ganz schön anstrengen – aber genau das braucht man.“
Einen fast philosophischen Beiklang hat Schäfers Beobachtung, dass vielen älteren Menschen im Alltag das gesprochene Wort fehlt. „Die Zeitung lesen oder Kreuzworträtsel ist nicht das Gleiche.“ Das Hören, Verstehen und Sprechen wird im Alter oder bei Beeinträchtigungen zu einer Meisterleistung. Die wöchentlichen Treffen wirken aus der Perspektive nicht nur wie ein Antidot gegen die Vereinsamung, sondern gegen die Verkümmerung der Ausdruckskraft.
Dass die mentalen Trainingseinheiten in der Summe so gut ankommen und funktionieren, liegt auch an Werner Roßbach. Der ausgebildete Gedächtnistrainer leitet die zwei Kurse pro Woche mit Fachwissen, Gelassenheit und neuen Ideen. „Ziel des Trainings ist es, mit vielfältigen Übungen sowohl alle Sinne als auch beide Gehirnhälften verstärkt zu aktivieren“, sagt er. Das Konzept geht jedenfalls auf. Schäfer beschreibt die Gruppe als lebendig und offen. „Ja, wir sind eine schöne Gruppe, muss ich sagen.“
Auch wenn nicht immer alles perfekt funktioniert: die Vorteile überwiegen, meint die 84-Jährige. Sie beschreibt auch, wie einer der Teilnehmer vor allem deshalb kommen, weil er während der Stunde konzentriert mitdenken könne. Danach sei vieles schnell vergessen. Doch das gemeinsame Üben gebe ihm jedes Mal ein gutes Gefühl.
Bei den Treffen erwartet Roßbach keine Leistung, setzt aber auf gezielte geistige Aktivierung. „Es reichen 90 Minuten pro Woche, um weiterhin fit im Kopf zu bleiben“, bringt er es auf den Punkt. Zertifiziert wurde Roßbach durch den Bundesverband Gedächtnistraining (BVGT). Um sich fachlich weiterzuentwickeln, nimmt er regelmäßig an Fortbildungen teil. Inzwischen experimentiert er auch mit digitalen Methoden: „In letzter Zeit probiere ich einiges mit künstlicher Intelligenz, zum Beispiel Aufgaben zur Wortfindung oder für Assoziationen.“ Was der Trainer tut, findet Schäfer gut, er tue das „humorvoll und ernst zugleich“. Dass am 30. September 2025 die neue Runde „Fit im Kopf“ in Mommenheim startet, freut die Seniorin sehr.
Roßbach empfiehlt ausdrücklich eine kostenlose Schnupperstunde. Er bietet wie gewohnt zwei Gruppen an – dienstags von 8.30 bis 10 Uhr sowie von 10.30 bis 12 Uhr. Die Treffen finden im Pfarrer-Helferich-Haus, Schulstraße 5, statt. Die Übungen bauen nicht aufeinander auf, so dass der Einstieg jederzeit möglich ist.
Wer sich informieren oder anmelden möchte, kann sich an Anja Rehm vom Büro der evangelischen Kirchengemeinde wenden, Telefon 06138 8519, E-Mail: anja.rehm@ekhn.de. Auch Werner Roßbach ist erreichbar – telefonisch unter 06138 1559, mobil unter 0171 5552545 oder per E-Mail an w.rossbach@t-online.de. Die Teilnahme kann auch per WhatsApp bestätigt werden.
Gregor Starosczyk-Gerlach
























