
GONSENHEIM – Reinhold „Zippes“ Becker ist ein Gonsenheimer Original: Der SV‑Gonsenheim-Ehrenmann, der jetzt seinen 100. Geburtstag gefeiert hat, prägt seit 93 Jahren das Vereinsleben – als Fußballer, Organisator und guter Geist.
Geburtstag beim Griechen – Fest mit dem Verein
Seinen eigentlichen 100. Geburtstag verbrachte Reinhold Becker dort, wo er sich zuhause fühlt: im Restaurant „Zum Gutenberg“, dem Griechen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Am Mittwoch, 10. Juni 2026, feierte er dort im familiären Rahmen mit Angehörigen und engen Wegbegleitern. Die große Vereinsfeier fand wenige Tage später im Joachim‑Mayer‑Haus auf dem Sportplatz statt – ausgerichtet von „seinem“ SV Gonsenheim und der AH‑„Zippes‑Gruppe“. So bekam der Jahrhundertjubilar sowohl „sein“ Geburtstagsfest im Viertel als auch eine große Bühne im Verein.
Ein Jahrhundertleben in Gonsenheim
Reinhold Becker, von allen nur „Zippes“ genannt, ist seit seiner Kindheit eng mit dem SV 1919 Gonsenheim verbunden. Bereits 1934 kam der damals achtjährige Junge zum Verein und blieb ihm – mit kriegsbedingter Unterbrechung – bis heute treu. Der Zweite Weltkrieg riss ihn aus seinem Alltag: 1944 wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen, nach Kriegsende verbrachte er zwei Jahre in Gefangenschaft, bevor er 1949 wieder auf den Gonsenheimer Fußballplatz zurückkehren konnte. Mit seinen sportlichen Erfolgen, seiner Bescheidenheit und seiner beständigen Präsenz ist er zu einer kleinen Ortsberühmtheit geworden.
Großer Fußballer, treuer Vereinsmensch
Sportlich erlebte „Zippes“ die Glanzzeit des SV Gonsenheim in der Südwestliga. Legendär ist bis heute die Landesligameisterschaft 1952, als die Gonsenheimer vor 2000 Zuschauern mit 3:1 gegen den Erzrivalen Fontana Finthen gewannen – Zippes stand damals gemeinsam mit seinem Bruder Herbert auf dem Platz, er als Spielmacher, Herbert als Torjäger. Bereits zuvor hatte er gegen prominente Gegner gespielt: In einem Ligaspiel standen mit Fritz und Ottmar Walter zwei spätere Weltmeister von 1954 mit auf dem Rasen. Ein weiterer Höhepunkt folgte 2019, als er anlässlich des 100‑jährigen Vereinsjubiläums gemeinsam mit Weltmeister Horst Eckel den symbolischen Anstoß zum Spiel gegen die Lotto‑Elf ausführte.
Motor der AH‑„Zippes‑Gruppe“
In den 1960er-Jahren gründete er die AH‑„Zippes‑Gruppe“, eine Altherrenrunde, die bis heute für ihren Zusammenhalt bekannt ist. Viele Jahre organisierte er mit großem Engagement Ausflüge und gesellige Unternehmungen – oft war er Ideengeber, Reiseleiter und gute Seele in einer Person. Zum 100. Geburtstag ist es nun diese AH‑Gruppe, die ihm die große Jubiläumsfeier im Joachim‑Mayer‑Haus ausrichtete – als Geburtstagsgeschenk und Dank für Jahrzehnte des Einsatzes.
Der Festtag mit dem Verein begann mit einer besonderen Überraschung: Am Morgen wurde Zippes gemeinsam mit seiner Enkelin Lea in einer Rikscha durch Gonsenheim gefahren und direkt am Sportplatz „abgeliefert“, wo die Feier stattfand. Begleitet wurde das Jubiläum von einer eigens gestalteten Bilderausstellung, die seinen Werdegang beim SV Gonsenheim seit 1951 dokumentiert; als bleibende Erinnerung erhielt er zudem ein Fotobuch, zusammengestellt von Peter Bäthies.
Lebensfreude auf zwei Rädern – und auf der Bühne
Wer Reinhold Becker heute begegnet, erlebt einen 100‑Jährigen, der Lebensfreude vorlebt: Täglich ist er mit dem Fahrrad unterwegs, sitzt noch selbst am Steuer und führt seinen Haushalt eigenständig in dem Haus, das er mit Tochter Ingrid und Schwiegersohn Harald teilt. Viele kennen ihn nicht nur vom Sportplatz, sondern auch von der Fastnacht: Seine legendären Zwiegespräche mit Richard Piemont bei den „Eiskalten Brüdern“ galten über Jahre als närrischer Höhepunkt. Vater, Opa, Uropa – und für alle einfach „Zippes“: Sein Spitzname steht in Gonsenheim längst als Synonym für Humor, Charakter und Herzlichkeit.
Mehr als Urkunden: Wertschätzung eines ganzen Ortes
Alle Auszeichnungen, die ein Verein vergeben kann, hat der Ehrenmann des SV Gonsenheim im Laufe der Jahrzehnte längst erhalten. Entscheidend ist für ihn jedoch etwas anderes: die Wertschätzung, die ihm die Menschen im Ort entgegenbringen – auf dem Sportplatz, bei Vereinsfesten, im Alltag auf der Straße. Seit 93 Jahren ist er Mitglied des SV Gonsenheim, davon viele Jahrzehnte als aktiver Spieler, Mitgestalter und Vorbild für jüngere Generationen. Zum 100. Geburtstag verneigen sich Verein und Stadtteil gleichermaßen vor seinem Lebenswerk, seiner Treue, seiner Lebensfreude und seiner Menschlichkeit – und wünschen Zippes noch viele gesunde und glückliche Jahre, ob beim Griechen „Zum Gutenberg“ oder auf dem Fahrrad durch Gonsenheim.
Ekkehard Schenk






















