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Kita Selzlinge pflanzt Kopfweide für Natur und Schatten Im Herbst wollen die Kinder einen weiteren Baum pflanzen

Kinder der Kita Selzlinge beteiligen sich gemeinsam mit Förster Jan Hoffmann (im Bild rechts oben) vom Wald-Naturschutzzentrum des Forstamts Rheinhessen in Ober-Olm an der Pflanzaktion auf der Selz-Wiese. Foto: privat

NIEDER-OLM – In der Kita Selzlinge in Nieder-Olm folgt auf eine Auszeichnung nun eine konkrete Maßnahme für mehr Schatten und Naturerfahrung. Gemeinsam mit dem Wald-Naturschutzzentrum des Forstamts Rheinhessen in Ober-Olm pflanzte die Einrichtung vor Kurzem eine Kopfweide. Anlass ist der Preis im Programm „Clever in Sonne und Schatten – gut geschützt vor UV-Strahlen“. Das Preisgeld dient der Pflanzung eines schattenspendenden Baumes. Im Herbst soll zusätzlich ein Speierling gesetzt werden.

Wie Kita-Leiterin Sabine Kohlhaas erklärt, erhielt die Weide ihren Platz auf der „Selz-Wiese“. Die Fläche liegt außerhalb des Kita-Geländes und ist frei zugänglich. Langfristig möchte die Einrichtung ihre Projekte stärker in den Sozialraum einbinden. Familien können die Orte auch am Wochenende besuchen. Kinder haben so Gelegenheit, ihre Projekte zu zeigen und zu erklären. Gleichzeitig entsteht ein gemeinsamer Ort für Naturerfahrungen.

Für den kräftigen Weidenstock musste ein Pflanzloch auf der Selz-Wiese bei Nieder-Olm gebohrt werden. Foto: privat

Seit fast zwei Jahren beschäftigt sich die Kita intensiv mit Bildung für nachhaltige Entwicklung als Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit. Die Teilnahme am Projekt „Clever in Sonne und Schatten“ gehört zu diesen Aktivitäten. Ziel ist es, Kinder, Eltern und Team für Gesundheitsschutz und Klimawandel zu sensibilisieren. Daraus entstand der Wunsch nach mehr Schatten im Außengelände. Zugleich sollten nachhaltige Lösungen entstehen. Durch den Präventionspreis der Unfallkasse Rheinland-Pfalz eröffnete sich die Möglichkeit, einen weiteren Baum zu pflanzen.

Bei der Pflanzaktion unterstützte Förster Jan Hoffmann vom Wald-Naturschutzzentrum des Forstamts Rheinhessen in Ober-Olm die Kinder. Für den kräftigen Weidenstock bohrte er ein Pflanzloch, anschließend setzten die Kinder die Weide gemeinsam ein. Hoffmann erklärte die einzelnen Arbeitsschritte verständlich und bezog die Kinder aktiv ein. So konnten sie nicht nur mithelfen, sondern auch lernen, wie Bäume gepflanzt und gepflegt werden.

Die Kinder sollen die Pflege übernehmen, indem sie die an unerwünschten Stellen keimenden Austriebe entfernen, so dass eine Kopfweide entsteht, wie sie das Referenzbild vom Wald-Naturschutzzentrum zeigt. Foto: Wald-Naturschutzzentrum Ober-Olm

Die Wahl fiel zunächst auf eine Kopfweide aus praktischem Grund. „Aktuell schneiden wir die Kopfweiden im Ober-Olmer Wald“, erklärt Hoffmann. „Das Schnittmaterial eignet sich direkt als Pflanzmaterial.“ Kopfweiden spenden Schatten und liefern im Frühjahr Pollen für Insekten. Raupen nutzen die Blätter als Nahrung. Zudem bindet der Baum Kohlenstoff. Beim regelmäßigen Rückschnitt entstehen Weidenruten, die sich zum Flechten eignen.

Für die Kita bietet die Pflanzung viele Lernmöglichkeiten. Die Kinder begleiten nun die Entwicklung des Baumes. Dabei entfernen sie Triebe an unerwünschten Stellen. So bildet sich nach und nach die typische Form einer Kopfweide. Auch ein Gießdienst gehört dazu. „Wenn Kinder Pflanzen setzen und pflegen, erkennen sie, wie wichtig der Schutz der Natur ist“, sagt Kohlhaas.

Die Kopfweide bleibt jedoch nur der erste Schritt. Für den Herbst plant die Kita eine weitere Pflanzung. In Absprache mit dem Wald-Naturschutzzentrum des Forstamts Rheinhessen in Ober-Olm soll dann ein Speierling auf der Wiese wachsen.

Der Speierling gilt als alte Kulturbaumart, die heute selten geworden ist. „Die kleinen birnenartigen Früchte kommen traditionell in den Frankfurter Äppelwoi“, erläutert Hoffmann. Der Baum bleibt vergleichsweise niedrig und verträgt Trockenheit gut. Damit passt er zu den Bedingungen eines sich wandelnden Klimas. Im Frühjahr bieten seine Blüten Nahrung für Insekten. Im Herbst färben sich die Blätter kräftig rot. Auch das können die Selzlinge künftig auf ihrer Wiese beobachten.