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Mitgestalter von 40 Jahren Stadtwerke-Geschichte Walter Lux und Sven Seil sind für ihr Betriebsjubiläum geehrt worden

Foto: Stadtwerke/Melanie Bauer

RÜSSELSHEIM – 1985 triumphiert ein Teenager namens Boris Becker in Wimbledon und löst einen Tennis-Boom in Deutschland aus. Michail Gorbatschow wird neues Staatsoberhaupt der Sowjetunion. Und Walter Lux und Sven Seil beginnen ihre Ausbildung bei den Stadtwerken Rüsselsheim. Was für die beiden Berufseinsteiger, damals 17 und 16 Jahre alt, im September vor 40 Jahren mit einer Lehre zum Rohrnetzbauer begann, ist noch längst nicht zu Ende. Der Haßlocher Walter Lux, heute Rohrnetzmeister im Bereich Technik und Netze, und der im Gerätewesen tätige Königstädter Sven Seil arbeiten nach wie vor bei den Stadtwerken.

Als sich ihre Betriebszugehörigkeit zum 40. Mal jährte, würdigten ihre Bereichsleiter diese Treue ausdrücklich. Wolfgang Hausen (Netze Service und Management) sagte über Lux: „Der Ruf der hohen Kompetenz eilt Dir voraus.“ Als Betriebsratsmitglied setze sich Lux auch für seine Kollegen ein. Konrad Sobich (Bereich Kunde) schätzt an Seil neben der fachlichen Qualifikation eauch dessen zwischenmenschlichen Qualitäten: „Du warst und bist immer ein Ruhepol.“

Beide Jubilare preisen die vielfältigen Aufgaben, mit denen sie es über all die Jahre zu tun hatten. „Man ist immer wieder gefordert worden“, sagt der 57 Jahre alte Lux und erzählt mit Blick auf die Anfangszeit bei den Stadtwerken: „Manchmal musste man auch improvisieren, weil es keine maßgeschneiderte technische Lösung gab.“ In den Routiniers unter ihren damaligen Kollegen hatten die jungen Leute inspirierende Vorbilder, die Kreativität geradezu einforderten. Lux erzählt von einem alten Rohrschlosser, der in solchen Situationen sagte: „Da macht euch mal Gedanken, wie ihr das hinkriegen könnt.“ Seil, heute 56, verweist wie Lux auf das stets angenehme Betriebsklima: „Da waren einige ganz feine Kollegen, von denen man auch viel gelernt hat.“

Ihren ersten Arbeitsvertrag mussten 1985 neben den beiden damals Minderjährigen auch die Eltern mitunterschreiben. Ihr Vertragspartner war und ist der Magistrat der Stadt Rüsselsheim. Denn die Stadtwerke, seit 2001 eine GmbH, waren seinerzeit ein städtischer Eigenbetrieb. Alles wurde noch in Eigenregie erledigt, nicht wie heute häufig von externen Dienstleistern. „Wir haben noch alles von der Pike auf gelernt“, sagt Lux.

Er erinnert sich, dass seinerzeit mit mehr als 30 Monteuren dreimal so viele wie heute beschäftigt waren – auch Lux und Seil nach ihrer dreijährigen Lehrzeit. Das Ablesen und das Austauschen von Zählern waren früher ebenfalls Sache von eigenem Stadtwerke-Personal. Seil berichtet von sich, so ziemlich jeden Rüsselsheimer Keller gesehen zu haben. Auch die unschönen Ecken: „Da haben die alten Kollegen schon mal gesagt, Bub, bloß nix anfassen, wenn wir da jetzt reingehen“, erzählt er schmunzelnd.

Beide Jubilare leisteten auch zur gleichen Zeit ihren Wehrdienst. Allerdings nicht am selben Standort, wie sie lachend hinzufügen. Nachdem Seil seine Zeit als Pionier und Lux als LKW-Fahrer beendet hatten, ging es für sie beruflich weiter voran. Erstgenannter verdiente sich 1992/93 in Karlsruhe den Meisterbrief in der Fachrichtung Gas und Wasser, sein Kollege im Jahr darauf.

Als ihr aufregendstes Erlebnis in ihrer beruflichen Laufbahn beschreiben Seil und Lux einen Notfall in den 1990-er Jahren im Gewerbegebiet Hasengrund, wo eine Baufirma bei Tiefbauarbeiten (nicht für die Stadtwerke) die Gas-Hochdruckleitung angefräst hatte. Es bestand Explosionsgefahr. Im gesamten Viertel musste schnell die Gasversorgung unterbrochen und das restliche Gas kontrolliert abgelassen werden.

Als Projektleiter betreute Lux Neubau- und Sanierungsprojekte, ehe er nach einer Umstrukturierung der Stadtwerke den neuen Bereich „Arbeitsvorbereitung“ mit aufbaute. Seil kam 2007, nachdem er mehrere Bereiche und ein breites Spektrum an Arbeiten und Serviceleistungen kennengelernt hatte, ins ebenfalls neu geschaffene Gerätewesen. Es galt, Daten von Gas- und Wasserzählern in eine mittlerweile eingeführte Unternehmenssoftware zu überführen.

„Wir hatten ja früher, als Walter und ich Meister wurden, nicht einmal PCs in der Technik“, erzählt Seil. Heute sitzen er und Lux fast ausschließlich am Bildschirm. „Den Beruf, den man ursprünglich mal gelernt hat, erlebt man annähernd nur noch bei Bereitschaftsdiensten“, sagt Sven Seil. Gleichwohl haben er und Walter Lux es nie bereut, bei den Stadtwerken angeheuert zu haben. Und das nach vierzig Jahren zu sagen, ist eine ausgesprochen positive Bilanz.

Jürgen Gelis
Stadtwerke Rüsselsheim GmbH