
RHEIN-SELZ – Zwölf Jahre lang lebten und arbeiteten sie getrennt. Nicht aus Distanz, sondern aus Nähe zu den Menschen, die ihnen beiden – der Pfarrerin und dem Pfarrer – anvertraut waren. Nun machen Anja Krollmann und ihr Mann Eric Bohn einen Schritt, der im weltlichen Kontext selbstverständlich ist: Sie ziehen zusammen. Im Kirchendienst werden sie künftig im selben Dekanat arbeiten. Ein gemeinsames Dach, ein gemeinsamer beruflicher Rahmen – und doch neue Wege. „Das wird spannend und herausfordernd zugleich“, sagt Krollmann.
Dass Kirchenleute mitunter solche Umwege gehen, gehört zu ihrem Beruf. Der jetzige Schritt bedeutet für beide einen Segen und einen Neuanfang. Mit dem Wechsel von Krollmann vom Dekanat Alzey-Wöllstein in das Dekanat Ingelheim-Oppenheim begann für sie im Dezember auch beruflich ein neuer Lebensabschnitt. Sie bleibt Seelsorgerin im ländlichen Raum und zieht zugleich nach Oppenheim. Zu ihrem Mann eben, der seit 2023 in der Katharinenkirche tätig ist.
Krollmann übernahm die Zuständigkeit für die Kirchengemeinde Undenheim-Friesenheim. Ab dem ersten Februar wird sie zusätzlich in der Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim in einem neuen sogenannten Nachbarschaftsraum tätig sein.
Ihm gehören außerdem die Kirchengemeinden Weinolsheim, Dolgesheim, Uelversheim, Eimsheim, Guntersblum, Dienheim mit Ludwigshöhe und Oppenheim an (Journal LOKAL berichtete). Die Pfarrerin gehört dort zu einem Verkündigungsteam.
Den Einzug ins Pfarrhaus in Oppenheim beschreibt sie indes als eine neue Form der Begegnung, denn in ihrer mehr als zwanzigjährigen Berufslaufbahn lebte die Pfarrerin ausschließlich in kleineren Orten. Nach dem Vikariat war es Mainz-Marienborn, das sie selbst eher als dörflich empfand, dann die erste Pfarrstelle im Kettenheimer Grund mit den Kirchengemeinden Kettenheim, Esselborn, Freimersheim und Wahlheim.
Aufgewachsen ist die Theologin in Ober-Ingelheim, wo ihr Vater als Maschinenschlosser arbeitete und nebenbei Landwirtschaft betrieb. „Meine Sommerferien habe ich sozusagen auf dem Kirschenfeld verbracht“, sagt sie. Als Schülerin der Hildegardisschule in Bingen beeindruckte sie die damalige Schulleiterin Schwester Angela. „Sie trat als Frau selbstbewusst auf und sprach oft vor vielen Menschen. Das wurde mir zum Vorbild.“ Später erfuhr Krollmann, dass Frauen im Pfarramt häufiger vor besonderen Herausforderungen stehen. „So habe ich gelernt, im Beruf meine Frau zu stehen“, sagt sie.
Prägend war für sie auch der Konfirmationsunterricht bei dem Ingelheimer Pfarrer Dr. Ernst Fellechner. Sie engagierte sich im Kindergottesdienst, absolvierte bereits als Schülerin ein Schnupperpraktikum in ihrer Kirchengemeinde und fand im Kindergottesdienst-Team sowie auf Fahrten nach Taizé viele Freundschaften. Der Entschluss zum Theologiestudium folgte konsequent.
Nach dem Studium in Mainz, Heidelberg und Marburg sowie dem anschließenden Vikariat in Mainz-Marienborn sammelte sie im Spezialvikariat erste Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Unter anderem arbeitete sie im Organisationsteam des Hessentags und betreute dort Künstlerinnen und Künstler hinter den Kulissen. Noch während ihres Pfarrvikariats im Kettenheimer Grund erhielt sie das Angebot, dauerhaft in die Öffentlichkeitsarbeit zu wechseln. Sie entschied sich bewusst dagegen, um weitere Gemeindeerfahrung zu sammeln.
Diese Entscheidung hat sie nicht bereut. Als erste weibliche Pfarrperson im Kettenheimer Grund wurde sie offen aufgenommen. Mit ihrer Collie-Mischlingshündin Phoebe geht Krollmann gerne spazieren. Das tat sie auch in ihren bisherigen Gemeinden. Sie nutzte die Wege, um Menschen kennenzulernen, Gespräche am Gartenzaun zu führen oder Begegnungen auf dem Feld zu erleben.
Künftig verändert sich ihr Berufsalltag dennoch.
red
























