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„Redde, wie aam de Schnawwel gewachs is“ Mundart >>>Vortrag zum Thema Dialekte im Gonsenheimer Rathaus

HGG-Vorsitzende Manuela Müller-Horn begrüßte den Autor Dr. Rudolf Post im Gonsenheimer Rathaus. Foto: Oliver Gehrig

GONSENHEIM – Unter dem Motto „Redde, wie aam de Schnawwel gewachs is“ hielt der renommierte Sprachforscher, Autor, Lexikograf und Dialektforscher Dr. Rudolf Post jetzt einen Vortrag zum Thema „Rheinhessische Dialekte“ im Gonsenheimer Rathaus. Rund 50 Zuschauer waren der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Mainz-Gonsenheim (HGG) gefolgt und erlebten einen interessanten Abend.

„Mundarten schaffen Identität und sind Teil der regionalen Kultur“, sagte der Sprachforscher zu Beginn. Er zitierte den Autor Karl Schramm, der bereits 1973 in seinem „Mainzer Wörterbuch“ bemerkte: „Es gibt keinen einheitlichen rheinhessischen Dialekt.“ Jede Region habe ihre Besonderheiten, was anhand zahlreicher Dialekt-Karten belegt wurde. So grenze sich etwa das Moselfränkisch vom Rheinfränkisch durch die dat-das-Linie ab. In Mainz-Gonsenheim heiße es etwa „gebroche“, „gefalle“ und „gestorwe“, in Wackernheim dagegen „gebroch“, „gefall“ und „gestorb“.

Dr. Post weiter: „Rheinhessen existiert erst seit 1816, aber die Mundart ist viel älter“. Der Mainzer Dialektdichter Friedrich Lenning brachte 1824 die „Gedichte in Pfälzer Mundart“ heraus, das erste Zeugnis einer Mundartliteratur. Heute gibt es viele Bücher in rheinhessischer Mundart, wobei diese Bezeichnung erst seit den 1980ern gebräuchlich sei.

Typisch für den rheinhessischen Dialekt sei die Übernahme fremder Sprachen. So etwa aus dem Lateinischen die „Andau“ als Wasserrinne und die „Kult“ als Wolldecke. Aus dem Französischen stammt das Wort „Labbing“ für Kaninchen, aus dem Jiddischen das Wort „Ische“ für Frau.

Und sogar die heilige Hildegard von Bingen (1098-1179) habe bereits volkssprachliche Wörter benutzt: etwa „Hagelgans“ für die Wildgans. „Iffa“ sei im Mittelalter die Ulme gewesen, „belboim“ die Pappel und „wibel“ der Kornkäfer.

Dr. Post: „Mundarten sind eigene Sprachen mit ihren eigenen Gesetzen.“ Im Anschluss verkaufte und signierte der Autor sein Werk „Mundarten in Rheinhessen“, das vor eineinhalb Jahren im Verlag Regionalkultur erschienen ist und für 29,80 Euro im Buchhandel zu erwerben ist.

 

Oliver Gehrig