HECHTSHEIM – Einst ein kleines Fest mit wenigen Winzerständen in den Weinbergen oberhalb von Hechtsheim und ein absoluter Geheimtipp, hat sich das „Weinfest im Kirchenstück“ 40 Jahre später zu einem wahren Publikumsmagneten gemausert. Heute sind es zwölf Winzer des Stadtteils, die mit Getränke- und Speisebuden, Tischen und Bänken entlang des Hangs eine mit Lichterketten geschmückte Festmeile bilden und am ersten Juliwochenende die Gäste locken. Zum runden Geburtstag wurde sogar ein Tag länger, nämlich fünf Tage bis einschließlich Dienstag bei herrlichem Wetter und grandiosem Blick bis in den Taunus gefeiert. Oberbürgermeister Nino Haase, Ortsvorsteherin Ulrike Cohnen und Marcus Clauß, der Vorsitzende des Hechtsheimer Winzervereins, eröffneten am Freitagabend das Fest, hoben ihr Glas und hießen alle „herzlich Willkommen“. Die Abendsonne legte das Kirchenstück in goldenes Licht, ein leichter Wind wehte, die Temperaturen stimmten. Der Besucherstrom riss nicht ab und schon lange vor der offiziellen Eröffnung hatten die Winzer am Ausschank alle Hände voll zu tun.

Zwei Besonderheiten kündigte Marcus Clauß für das Jubiläumsfest an: den ökumenischen Gottesdienst, der am Sonntag im Weinberg von der evangelischen Pfarrerin Sabine Feucht-Münch und ihrem katholischen Kollegen Michael Tomaszewski gehalten werden sollte. Zudem war für Dienstagabend eine von den Winzern organisierte Neuheit, die Schlenderweinprobe mit „Schlenderpass“, angekündigt. Clauß schickte einem der Initiatoren des Festes, Willi Fleischer, Grüße. Er habe vor 40 Jahren die Idee zu dem mittlerweile fest im Mainzer Veranstaltungskalender verankerten Fest in den Weinbergen gehabt.
Clauß erinnerte sich an andere Jahre, in denen man mit Jacke unter den Pavillons sitzen musste. Zweimal habe man mit starkem Unwetter und Sturm kämpfen müssen, und es habe auch schon eine Schnaken- und eine Wespenplage gegeben. „Uns Winzer schweißt das Fest zusammen, weil alle gemeinsam anpacken und helfen.“ Damals seien die Weinflaschen noch daheim gekühlt und dann dick verpackt ins Kirchenstück gebracht worden. Seit 25 Jahren aber gibt es eine zentrale Stromversorgung und eine Frischwasserleitung, sodass heute „jeder eine Kühlung und auch Spülmaschinen am Stand hat“.

Haase und Cohnen freuten sich ebenfalls, wie schnell schon am ersten Abend alle Plätze entlang der etwa 500 Meter langen Festmeile belegt waren. „Ich dachte, die Leute warten auf uns, aber sie sind ja alle schon hier und genießen den Wein“, scherzte Haase und hob sein Glas. Die Zeiten seien auch angesichts des Klimawandels nicht einfach, doch die Hechtsheimer Winzer zeigten sich modern und entwickelten ihre Produkte weiter. „Das mögen die Menschen“, lobte Haase. „Viel Arbeit bei den Winzern und große Loyalität bei den Bürgern.“ Cohnen animierte alle zu einer großen „Welle“ für den Wein und das Fest. Dann suchten sich auch die Ehrengäste aus dem Stadtrat und dem Ortsbeirat einen Platz zwischen den Reben und unter den Pavillons. Zwar gab es auch Bratwurst und Spießbraten, vor allem aber lockten die Winzer mit zu ihren Weinen passenden kulinarischen Leckereien wie etwa Flammkuchen, Maultaschen und Spundekäs.
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