BODENHEIM – Ein „affenstarkes“ Publikum laut Moderatorin und eine rundum gelungene Damensitzung: Der Bodenheimer Karneval Verein (BCV) verwandelte den Dolles-Keller in eine Hochburg der guten Laune. Rund 120 Damen feierten ausgelassen und bestens gelaunt. Durch den Abend führten Kathrin Rakowski und ihre Mutter Beate Dietz, die kurzfristig für die verletzte Stefanie Becker eingesprungen war. Sie hatte sich nicht lange bitten lassen, ihre eigentlich beendete Fastnachtskarriere zu unterbrechen – ein echter Gewinn für den Abend. Am Keyboard, wie immer, Hansi Speyer, die Technik lag zuverlässig in den Händen von Philipp Holdenried.
Den Auftakt auf der Bühne machten die „Mini-Donkeys“. Die sechs- bis neunjährigen Tänzerinnen begeisterten mit ihrem fröhlichen Cheerleadertanz und ernteten großen Applaus. Dann traditionell die Einschwörung auf die Fasnacht: 120 Damen schworen auf Jugend, Schnaps, warme Frikadellen und auf alles, was zählt – ein stimmungsvoller Moment. Und sofort legte das Ballett „Little Donkeys“ mit ihrem Astronautinnen-Tanz nach: 17 Tänzerinnen, perfekt einstudiert, kreativ und wunderschön anzusehen.

Die erste Wortgranate des Abends zündete Tobias Paltz als „Bauer Sepp“. Auf verzweifelter Frauensuche trat der Südwest-Pfälzer in jedes Fettnäpfchen, forderte das Publikum immer wieder heraus, und sorgte mit Grimassen, Geräuschen und einer legendären Toilettengeschichte für Lachtränen und die erste Rakete. Die hessische Kultfigur Olga Orange, gespielt von Thomas Rau, berichtete anschließend von ihren Erlebnissen bei „Bauer sucht Frau“ und stellte klar: über 60 brauche man keinen Mann mehr. „Die machen Dreck und nehmen einem den Fernsehsessel weg.“ Stimmungssänger Stefan Bersch mischte sich mitten unters Publikum und brachte die Damen mit Klassikern wie „Joanna“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ in Bewegung. Zwischendurch genossen die Gäste die hervorragende Bewirtung durch die Ehrenamtlichen des BCV mit rheinhessischen Spezialitäten und guten Weinen.
Einen weiteren Höhepunkt bot Harry Borgner mit seiner Gitarre. Humorvoll nahm er sich der künstlichen Intelligenz in der Musik an und kombinierte den „Kleinen grünen Kaktus“ mit Stimmen von Grönemeyer, Carpendale, Heintje und Helge Schneider. Der Nachtwächter Adi Guckelsberger reimte sich gewohnt treffsicher mithilfe des Publikums durch Ehealltag, Hundegeschichten und die Finther, bevor die Altstadtbuben vor der Pause mit Stimmungsliedern und einer Polonaise durch den engen Keller alle von den Stühlen holten.

Nach der Pause beeindruckten die Mainzer Klinik Athleten die staunenden Damen mit Akrobatik, Kraft und gutem Aussehen. Beate Dietz stand danach selbst wieder als Rednerin auf der Bühne und erzählte humorvoll vom „Schock“, Oma geworden zu sein, von Ehealltag, verlorener Leidenschaft und der Erkenntnis, dass das Alter letztendlich egal sei, solange man „was zu lachen habe“. Das Ballett „Donkey Dancers“ machte den Anwesenden anschließend wehmütig klar, dass Jugend „schön“ im wahrsten Sinne des Wortes sein kann. Die Mädels punkteten einmal mehr mit einer mitreißenden Choreografie, herrlichen Kostümen, sportlichen Höchstleistungen und fabelhaftem Aussehen auf ihrer „Weltreise“.
Das Duo DobbelBock, bekannt aus Funk und Fernsehen, laut Dietz „die nettesten Fastnachter von Meenz“, weil „so normal und gar nicht überheblich“, luden daraufhin zum Mitsingen und Schunkeln ein. Und aus dem hessischen Bürstadt kam Barbie 2.0 vorbei, Manuela Hartmann-Keil, seit Jahren Sitzungspräsidentin der HR-Weiberfastnacht. Auf Jobsuche nach einem erfolglosen Hollywood-Abenteuer entschied sie sich schließlich für „Hüttenwirtin im Schwarzwald“ und sang mit dem Publikum ihr: „Rosa Traum – Barbie von de Hütt“ – authentisch, herzlich und mitreißend. Ein lang erwarteter Höhepunkt folgte auf geballte Frauenpower: die Specktorpedos, das Männerballett des BCV, als Handwerker für alle Fälle. Hochenergetisch, sportlich und ganz ohne Speck, wie man unschwer und anerkennend feststellen konnte. Moderatorin Kathrin versprach, die Telefonnummern der Handwerker später im Publikum zu verteilen.

Den Schlusspunkt setzte die Ginsheimer Altrheingarde mit Liedern wie „Heimat“, „Kopfkarussell“ und „Das Leben ist schön“. Zum Finale standen alle Mitwirkenden gemeinsam auf der Bühne. Zur Freude aller, die nicht dabei sein konnten: die zweite Damensitzung findet am 23. Januar statt – wer nicht kommt, hat etwas verpasst.
Sabine Longerich

























