GAU-BISCHOFSHEIM – „Eine hochdeutsche Komödie für fünf Damen und fünf Herren in drei Akten“ steht auf dem Rollenbuch der Theatergruppe der „Fidelen Brüder“. „Hochdeutsch“ wurde natürlich von dem sprachbegabten Ensemble umgehend in „Rhoihessisch“ adaptiert. Ein Stück, das es in sich hat. In „Auch Saubermänner haben ein Verfallsdatum“ wechseln sich stürmische mit tragischen Szenen in rasanter Reihenfolge ab. Tragik beherrscht die Geschehnisse um den besserwisserischen Wirt und Moralapostel

Foto: Klaus Schmitt
Gottfried Haselberger (Bernd Wehrum). Er ist in Personalunion auch gleichzeitig seit 25 Jahren unabwählbarer und ungefährdeter Bürgermeister. Schon zu Beginn starten große Geheimniskrämereien. Bruni, Gottfrieds Frau (Bärbel Malisius), hat ihrem Mann verschwiegen, dass sie den Führerschein macht und heute Prüfung hat. Mutter Kläri (Christine Engelhardt) erscheint im Negligé, platziert ihr „benutztes“ Nacht-Dippsche auf dem Kneipentresen und gibt Bruni Fahr-Tipps. Der smarte Fahrlehrer Bodo (Mattias Böhm) kommt und lobt die Fahrkünste von Bruni. Auch Materna (Alexandra Lasrich), die Frau des Gemeindearbeiters Willi (Jürgen Furrer) will ihren Führerschein machen. Da platzt die wütende Köchin des Pastors Wallburga (Katharina Wuttke) herein. Sie ist stinkig, weil Gottfried anlässlich seines anstehenden 25-jährigen Dienstjubiläums eine Messe vom Bischof und nicht vom Dorfpastor haben möchte. Balduin Pimperlein (Lukas Engelhardt), ein Paradiesvogel mit schwulem Einschlag, soll eine von Gottfried bestellte Büste mit dessen Konterfei modellieren. Das Wort „Büste“ löst auf der Bühne verschiedene lustige Assoziationen aus. Das Drama beginnt mit dem stürmischen Auftritt von Gottfried (mit Boris-Johnson-Frisur) und Willi. In der Nacht wurde Gottfrieds „Lappen“ kassiert. Stolze 2,1 Promille standen zu Buch. Damit beginnt eine Reihe von Erpressungsversuchen der Insider, die den armen Wirt nun verfolgen. In zwei Tagen soll das pompöse Fest für Gottfrieds Jubiläum stattfinden. Auch der Landrat hat sich mit Gattin angekündigt. Deren Abholung vom Bahnhof löst logistische Probleme für den führerscheinlosen Gottfried aus. Mittlerweile hat der Bischof abgesagt. Der nun doch benötigte Dorfpastor kann nicht aushelfen, da er seine Schwester besuchen will. Wallburga will mit ihm reden. Dafür verlangt sie aber von Gottfried, dass er sich um die Herrichtung des Pfarrgartens und die Bezahlung des kirchlichen Heizöls kümmert, was dieser kleinlaut akzeptiert. Mittlerweile kommt es zum Eklat: Kläri macht den Brief der Polizei auf. Darin findet sie das Blitzerfoto, auf dem neben Gottfried eine unbekannte Dame sitzt. Danach überschlagen sich die Ereignisse. Die Ehrengäste werden von Materna mit dem Trecker abgeholt . Beide sehen danach fürchterlich aus. Gottfried versucht, sich aus seiner aussichtslosen Situation herauszureden. Willi soll sagen, er habe bei der Polizei geblasen. Der will dafür eine „Dickworzmühl“ und ein neues Garagentor. Mittlerweile stellt sich heraus, dass Gottfrieds Beifahrerin die Gattin des Landrats Egidius Proll (Michel Bucher), nämlich Dörte Proll (Lena Paul) ist. Zwischenzeitlich wollen sich mehrere Personen mal die verhüllte Büsten neben dem Tresen ansehen, was der Künstler standhaft verweigert. Er hatte bemerkt, dass sein Werk manipuliert wurde. Er verlangt seine Gage und macht sich schnell vom Acker. Indessen setzt Kläri Gottfried unter Druck. Da sie das verräterische Bild vom betrunkenen Sohn und der Dame hat, droht sie ihm, es im Ort zu veröffentlichen. Er soll seine erneute Kandidatur zur Bürgermeisterwahl, die am gleichen Tag wie die Jubiläumsfeierlichkeiten stattfindet, zurückziehen. Er willigt schweren Herzens ein, nachdem der smarte Fahrlehrer Bodo ebenfalls kandidiert. Gottfried will nun die Büste mit in den Jubiläums-Gottesdienst zum Enthüllen mitnehmen. Er weiß nicht, dass diese in der Nacht von Frau und Mutter übelst verunstaltet wurde, zieht das Tuch weg und bricht ohnmächtig zusammen: Das Kunstwerk ist ein Schweinskopf mit einer Trump-Frisur! Kläri kommentiert: “Auch Saubermänner haben ein Verfallsdatum!“ Wieder mal einer toller Auftritt des super Ensembles unter der bewährten Leitung von Regisseurin Maria Eifler.