
OBER-OLM – Wie es ist, sich als Dorf ein Auto zu teilen – das finden die rund 4.500 Bewohner in Ober-Olm bald raus. Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat einem Antrag der GRÜNEN zugestimmt, ein Carsharing-Angebot im Ort einzuführen. „Mit der Einführung des Carsharing-Angebots in Ober-Olm schaffen wir eine umweltfreundliche Alternative zum Zweit- oder Drittwagen und ermöglichen gleichzeitig mehr Flexibilität im Alltag“, so Antoinette Malkewitz, Fraktionssprecherin der GRÜNEN im Gemeinderat Ober-Olm. Der Beschluss sei aber nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, sondern soll auch das Verkehrsaufkommen im Ort reduzieren.
Die Gemeinde hat sich dabei nach langer Beratungsphase letztlich für eine Zusammenarbeit mit der Firma Deer entschieden. Der Mobilitätsdienstleister aus der baden-württembergischen Kleinstadt Herrenberg hat sich auf umweltfreundliche Mobilitätsangebote spezialisiert und bietet Carsharing-Optionen und die dazugehörige Ladeinfrastruktur an. Mit bundesweit 300.000 Ladestationen gehört Deer zu den größten Carsharing-Dienstleistern des Landes, bei Carsharing mit Elektroautos ist das Unternehmen sogar deutscher Marktführer. In mehreren Nachbarorten hat sich die Zusammenarbeit mit der Firma bereits bewährt; bisher wurden Carsharing-Projekte in Nieder-Olm, Jugenheim, Stadecken-Elsheim und Klein-Winternheim realisiert.
Diese Expertise möchte man jetzt auch in Ober-Olm nutzen, um einen Beitrag zur flexibleren und nachhaltigeren Mobilität vor Ort zu leisten. Das beschlossene Konzept enthält eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten zu je 22 kW Leistung, außerdem wird ein Elektroauto bereitgestellt. Auch der Strom für die Ladesäulen ist nachhaltig: die gesamte Energie speist sich aus mit Wasserkraft erzeugtem Ökostrom.
Für den Betrieb werden zwei öffentliche Stellplätze ausgewiesen, die noch zusammen mit der Verbandsgemeinde Nieder-Olm abstimmen werden müssen. Wer das Auto braucht, kann es über eine App buchen und entsperren. Um das Angebot möglichst flexibel zu nutzen, kann man es an jeder beliebigen Ladestation von Deer zurückgeben. Ein bedarfsgerechter Stundentarif lässt auch Kurzstrecken oder Tagesnutzungen zu, die Preise scheinen moderat: 30 Minuten für 7,90 Euro, eine Stunde für 12,80 Euro mit 3,20 Euro für jede weitere Viertelstunde, ein Tag für 69,90 Euro. Der große Vorteil allerdings: die Kilometeranzahl ist unbegrenzt, und auch eine Grundgebühr gibt es nicht.
Das Projekt soll zwar erst im kommenden Jahr umgesetzt werden. Doch im Gemeinderat freut man sich jetzt schon darüber, dass das Langzeitprojekt endlich in trockenen Tüchern ist. „Es gab eine sehr lange Beratungsphase, die finale Sitzung im Verkehrsausschuss war schon Mitte Juni“, so Bernd Weisener, stellvertretender Fraktionssprecher der Grünen. Die lange Wartezeit sei frustrierend gewesen, das Ergebnis rechtfertige aber den Einsatz. Julius Schneider, der für die SPD im Verkehrsausschuss sitzt, betont den Aspekt sozialer Gerechtigkeit. „Es gibt Leute hier im Ort, die haben das Geld für ein Auto einfach nicht.“ Auch in der CDU freut man sich über die klimafreundliche Maßnahme. „Mit dem E-Auto wird weniger CO2 ausgestoßen, und vielleicht führt das Carsharing zu weniger Zweitwagen und weniger Autos auf Ober-Olms Straßen“, erklärt Britta Werner, Beigeordnete für Umwelt und Verkehr.
Felix Werner

























