BODENHEIM – Das jüdische Leben in Bodenheim – heute Geschichte – wird durch die aktuellen Ereignisse in Halle wieder lebendiger. Bei der Ausstellungs-Eröffnung am 20.10. stellte Horst Kasper die geschichtlichen Verbindungen her. Am 22.10. hat der rheinland-pfälzische Landtag eine Resolution gegen Judenfeindlichkeit verabschiedet. Horst Kasper als Initiator und Macher der Ausstellung „Erinnerung bewahren“ berichtete bei seinem Eröffnungsvortrag, dass die Nationalsozialisten es schafften, Bodenheim und auch Nackenheim als „judenfrei zu feiern“.
Seit 40 Jahren forscht Horst Kasper schon. Er hat Dokumente wie Fotos, Briefe, Passkopien etc. vieler jüdischer Bodenheimer Familien zusammengetragen. „Es war eine extrem mühselige Recherche, die mich angestrengt aber auch sehr aufgewühlt hat. Die Kontakte zu den Familien und deren Freude, dass ein Bodenheimer sich ihrer Geschichte annimmt, gaben mir die Kraft, weiter zu machen“ so Horst Kasper. Welche Wege die Familien, welche Mühen und Qualen sie auf sich nahmen, um sich und ihre Familienmitglieder in Sicherheit zu bringen, zeigen viele Dokumente. So verkaufte eine Familie all ihr Hab und Gut in Bodenheim, flüchtete Richtung Niederlande und wurde doch noch gefangen, deportiert und in den Konzentrationslagern umgebracht. Einige flüchteten über die Schweiz nach Portugal und von dort nach Südamerika oder in die USA. Horst Kasper stellt für die jüdische Geschichte 120 ausgewählte Fotografien aus seinem 1300 Bilder umfassenden Fundus zur Verfügung. Er steht in Kontakt zu den Enkeln der ehemaligen Bodenheimer, die auch für ihn Unterlagen sammeln und ihm zukommen lassen. Auch zu seinem Fundus gehören viele Schulfotos. „Ich habe fast alle Namen der Schüler zusammen getragen, aber spannend wird es, wenn die Besucher ihre Eltern oder Großeltern auf den Fotos entdecken werden und ich weitere Lücken schließen kann“ hofft Horst Kasper.
Es gab auch eine Synagoge in Bodenheim. Anfangs in angemieteten Räumen, dann auch in einem eigenen Gebäude in der Rathausstraße. Horst Kasper stellt die Dokumente dazu aus, zeigt die Aufteilung der Synagoge aber auch die wirtschaftlichen Hintergründe. 1965 wurde die Synagoge wegen angeblicher „Baufälligkeit“ abgerissen. Auch die von ihm initiierten Stolpersteine mitten in Bodenheim weisen auf das jüdische Leben hin. 28 jüdische Mitbürger wurden deportiert und später ermordet. Auch die Stolpersteine dienen dazu, die Erinnerung zu bewahren – genau wie die Ausstellung.
Wolf-Ingo Heers
Die Ausstellung im Bodenheimer Heimatmuseum im Bürgerhaus Dolles, ist am Samstag und Sonntag, 26. und 27. Oktober, sowie 2. und 3. November, von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Auch nach telefonischer Vereinbarung unter 06138-63 44 oder 06135-66 39 lässt sich die Ausstellung besichtigen.