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Mit Tempo zum Traum vom Tripple Mainz 05 startete in die neue Saison der Amputierten-Bundesliga

Die Amputiertenfußballer des FSV Mainz 05 starteten in Essenheim mit einem Spiel gegen den HSV in die neue Saison der Deutschen Fußball-Amputierten-Liga. Die Mannschaft peilt nach zwei Meisterschaften in Folge den dritten Titel an. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

MAINZ/ESSENHEIM – Als die Amputiertenfußballer des FSV Mainz 05 vor wenigen Wochen in der Mewa Arena für ihre zweite deutsche Meisterschaft geehrt wurden, erhoben sich die Zuschauer zu Applaus. Nun begann für die Mainzer die nächste Mission: der dritte Titel in Folge. Der Auftakt der Deutschen Fußball-Amputierten-Liga fand dabei nicht am Bruchweg, sondern in Essenheim statt – dort, wo die Mannschaft seit drei Jahren trainiert.

Trainingsplatz der Meister

Die Spielvereinigung (Spvgg) Essenheim war zum Austragungsort des ersten Saisonspieltags geworden, nachdem für das Wochenende wegen anderer Veranstaltungen in Mainz eine Alternative gesucht worden war. Für die Essenheimer war die Ausrichtung weit mehr als eine organisatorische Aufgabe, die sie übrigens meisterlich bewältigten. Zwischen dem Verein und der Mannschaft aus Mainz ist in den vergangenen Jahren eine enge Verbindung entstanden.

Zwischen dem FSV Mainz 05 und der Spielvereinigung Essenheim ist in den vergangenen drei Jahren eine enge Partnerschaft entstanden. In Essenheim trainiert die Mannschaft regelmäßig.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

„Wir haben damals eine Anfrage bekommen, ob die Mannschaft bei uns trainieren kann“, berichtete Vorstandsmitglied Udo Graf. Die Spvgg habe Trainingszeiten freigemacht, damit die Mainzer regelmäßig auf dem Platz trainieren könnten. Seitdem entwickelte sich die Kooperation zu einer festen Partnerschaft. Zweimal wurde Mainz deutscher Meister. Die Meisterschalen stehen laut Graf sogar in Essenheim. Vielleicht, damit die Kicker sie beim Training als gutes Omen immer in der Nähe wissen, vielleicht aber auch als Geste der Dankbarkeit.

Bundesliga im Turnierformat

Die Spieltage werden in der Liga so ausgetragen, dass mehrere Mannschaften an einem Ort zusammenkommen und dort über zwei Tage mehrere Spiele austragen. Damit erleichtert die Liga das Reisen für die Teams. Nach Essenheim kamen Mannschaften vom Hamburger SV, aus Uerdingen und aus Hoffenheim.

Wer als Neuling die Spiele erstmals verfolgte, den überraschten die rasanten Bewegungsabläufe. Schnell rückte der Fußball in den Vordergrund. Pässe, Dribblings, Torwartparaden, Zweikämpfe und taktische Anweisungen bestimmten das Bild auf dem Spielfeld. Es gab gelungene Spielzüge ebenso wie Fehlpässe und individuelle Fehler. Einer davon führte im ersten Spiel zwischen Mainz 05 und dem Hamburger SV zu einem Gegentor.

Neue Regeln, gleiches Ziel

Die Begegnungen wurden erstmals in Deutschland nach den internationalen Vorgaben ausgetragen: auf einem größeren Feld und mit sieben Spielern pro Mannschaft, die übrigens gemischt auflaufen kann. Bei den Mainzern gehört Nicola Roos zum Team.

„Wir haben uns an die internationalen Regeln angepasst“, erklärte Teammanager Jörg Schmidtke. Dadurch werde die Saison anspruchsvoller als in den Vorjahren. Am Ziel habe sich jedoch nichts geändert: „Wir wollen das Triple holen.“

Dass Mainz erneut zu den Favoriten zählt, kommt nicht von ungefähr. Die Mannschaft erreichte bereits in ihrer ersten Saison das Meisterschaftsfinale und gewann anschließend zweimal die deutsche Meisterschaft. Im Oktober steht zudem die Teilnahme an der Champions League an.

Aufmerksamkeit wächst

Rund um die Spiele war auf der Sportanlage die Begeisterung für den Sport spürbar. Mainzer Anhänger unterstützten ihre Mannschaft, zugleich waren auch Gästefans nach Rheinhessen gereist. Auf dem Platz wurde um jeden Ball gekämpft, daneben kräftig angefeuert und mitgefiebert.

Für Schmidtke zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre, wie stark die Wahrnehmung der Mannschaft gewachsen ist. Mittlerweile werde das Team auch von vielen Anhängern des Bundesligisten wahrgenommen. Die Ehrung in der Mewa Arena sei dafür ein sichtbares Zeichen gewesen.

Schmidtke berichtet zudem, dass sich die Spieler aus der Region und darüber hinaus rekrutieren. „Sobald wir Leute draußen auf der Straße sehen, bei denen wir denken, die sind sportlich, sprechen wir sie an und laden sie zum Training ein.“ Drei neue Spieler gehören in dieser Saison zum Kader.

Mehr als ein Spieltag

Unbedacht geäußert, könnte man meinen, der Auftakt in Essenheim sei großes Kino gewesen. Doch das träfe den Kern der Sache nicht. Auf dem Rasen in Essenheim zeigte sich vielmehr Realität. Aus Willenskraft, Anstrengung, körperlicher Fitness und fußballerischen Fähigkeiten ist eine Liga entstanden, die ihren Platz im Sport gefunden hat und zugleich einen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe leistet.

Wenn am Ende der Saison die Trophäe erneut nach Mainz kommt, wäre das aus rheinhessischer Sicht ein schöner Erfolg. Wenn nicht, dann gilt auch hier, was im Sport und im Leben gleichermaßen zählt: Die nächste Chance kommt bestimmt.

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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Gregor Starosczyk-Gerlach: Redaktionsleiter für Journal LOKAL Rheinhessen. Erfahrener Journalist und Fotograf für Journal LOKAL seit 2013. Experte für Lokalmedien mit Schwerpunkt Rheinhessen und Mainz. Theologiestudium als Inspirationsquelle für faszinierende Alltagsgeschichten.