Start Gesellschaft Mit Stricknadeln ins Kino Neues Format zum Weltfrauentag in Oppenheim

Mit Stricknadeln ins Kino Neues Format zum Weltfrauentag in Oppenheim

Ein angeregter Plausch gehört zum Hobby dazu. Links vorn: Initiatorin Uli Winkler. Foto: privat

OPPENHEIM – Zum Weltfrauentag wurde das Kommunale Kino (KommKi) Rhein-Selz im Weinbaumuseum in Oppenheim zu einem besonderen Treffpunkt: Erstmals fand dort ein sogenanntes Strickkino statt. Während auf der Leinwand der Filmklassiker „Dirty Dancing“ lief, klapperten im Saal leise die Stricknadeln. Bei leicht gedimmtem Licht konnten die Besucherinnen während der Vorstellung stricken oder häkeln – eine entspannte Kombination aus Filmabend, Handarbeit und geselligem Austausch. Die Nachfrage war groß, die Karten waren im Vorfeld nahezu ausverkauft.

Der Tanzfilm von 1987 mit Patrick Swayze und Jennifer Grey wurde dabei bewusst gewählt: unterhaltsam, bekannt und ohne komplizierte Handlung – ideal, um nebenbei Maschen aufzunehmen oder Reihen zu zählen. Das Format des Films passte auch gut zum Weltfrauentag: Die Besucherinnen verbrachten den Tag mit einer ihrer liebsten Beschäftigungen.

Die Idee zum Strickkino brachte Uli Winkler ein. Sie betreibt einen Wollladen in Einhausen und beobachtet seit einiger Zeit einen Trend, der ursprünglich aus Skandinavien stammt. Dort werden seit Jahren Filmvorführungen organisiert, bei denen Handarbeit ausdrücklich erwünscht ist. Seit etwa dem Jahr 2025 verbreitet sich dieses Konzept auch in Deutschland, so auch im Capitol-Kino in Mainz. Winkler sieht darin vor allem die Möglichkeit, Gemeinschaft und Hobby zu verbinden: Menschen treffen sich, tauschen sich aus und genießen gleichzeitig die besondere Atmosphäre eines Kinosaals – bei ihrer Lieblingsbeschäftigung.

Der Kontakt zum Kommunalen Kino entstand über die strickbegeisterte Friederike Muth, die sowohl in einem Stricktreff aktiv ist als auch im Kinoverein mitarbeitet. Mit Uli Winkler stellte sie die Idee der KommKi-Vorsitzenden Heike Lenort vor – mit Erfolg, und so wurde der Weltfrauentag zur Premiere für das neue Format.

Schon lange vor Filmbeginn trafen sich viele Frauen im Innenhof des Museums. Das Wetter spielte mit, man konnte die Sonne genießen. Dort wurde gefachsimpelt, Garn begutachtet und natürlich gestrickt. Einige kamen aus umliegenden Orten, andere aus Städten der weiteren Umgebung. Die Stimmung war locker und gesellig, denn Gespräche gehören für viele genauso zum Stricken wie Wolle und Nadeln.

Dass Handarbeit dabei mehr ist als nur ein Hobby, zeigt auch die Gesundheitsforschung. Studien – unter anderem von der AOK – weisen darauf hin, dass regelmäßiges Stricken Stress reduzieren kann. Die rhythmischen Bewegungen wirken beruhigend, senken nachweislich den Blutdruck und fördern Konzentration sowie mentale Ausgeglichenheit. Für viele Menschen ist das Arbeiten mit Wolle daher eine Art meditative Pause vom Alltag.

Als schließlich das Licht gedimmt wurde und „Dirty Dancing“ begann, wurde es im Saal ruhiger. Nur das leise Klappern der Nadeln begleitete den Film. Es ist wohl so: Das Strickkino ist mehr als nur einen Film anzuschauen – es ist ein gemeinsames Erlebnis. Ein schöner Weltfrauentag also, ganz im Zeichen der Lieblingsbeschäftigung.

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