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Stadtwerke nehmen keine Neukunden mehr an Nur Grundversorgung für Gas und Strom bleibt bestehen / Preis wird erhöht

RÜSSELSHEIM – Wer auf der Homepage der Stadtwerke Rüsselsheim nach Angeboten für neue Gas- und Stromkunden schaut, der sucht vergeblich. „Auch wir müssen die Reißleine ziehen und können niemanden mehr annehmen“, erklärt der Geschäftsführer der Stadtwerke Rüsselsheim, Hans-Peter Scheerer. „Die Beschaffungskosten für Gas und Strom sind in einem Maße gestiegen, wie es noch nie zu erleben und in dieser Größenordnung nicht vorherzusehen war.“ Würden die Stadtwerke weiterhin Lieferverträge abschließen, „müssten wir für jeden neuen Kunden noch Geld drauflegen“.

Einzig die Grundversorgung für Gas und Strom bleibt bestehen – damit niemand im Dunkeln oder im Kalten sitzt, erläutert Scheerer. Allerdings müssen die Stadtwerke den Tarif für die Grundversorgung im Strom mit Wirkung zum 22. Dezember für neue Kunden drastisch anheben: den Arbeitspreis von 34,87 Cent auf 54,48 Cent je Kilowattstunde und den Grundpreis von 10,11 Euro auf 12,00 Euro monatlich.

Wie wichtig die Grundversorgung ist, erfahren aktuell zahlreiche Verbraucher, deren Lieferanten die Energieversorgung eingestellt und zum Teil sogar schon Insolvenz angemeldet haben. „Allein von dem Anbieter Stromio standen in Rüsselsheim 764 Kunden plötzlich ohne ihren Stromversorger da und sind in die Grundversorgung der Stadtwerke übernommen worden“, berichtet Thomas Gapp, Bereichsleiter Kunden und Vertrieb.

Beim Gas sieht es nicht besser aus: Von der Grünwelt Energie beziehungsweise Gas.de sind 270 Kunden in die Grundversorgung der Stadtwerke gefallen. Optima, Fulmina, Neckermann Strom und enQu sind die Namen weiterer Unternehmen, die der Versorgung aktuell nicht mehr nachkommen und deren Kunden sich nach einem neuen Anbieter umsehen müssen oder in der Grundversorgung landen.

Dass wesentlich mehr Kunden in die Grundversorgung fallen, als üblicherweise zu erwarten ist, belastet die Stadtwerke Rüsselsheim enorm. „Wir müssen nun für sehr teures Geld zusätzliche Gas- und Strommengen nachkaufen“, sagt Thomas Gapp.

Wie entfesselt sich die Märkte entwickelt haben, zeigt ein Blick auf den Großhandelspreis an der Leipziger Energiebörse EEX von Mai bis jetzt in den Dezember: Beim Gas explodierte der Preis für eine Megawattstunde von 20 auf mehr als 110 Euro, beim Strom von 60 auf über 300 Euro. „Das entspricht dem Fünffachen– eine solche Verteuerung kann auch der beste Einkäufer auf Dauer nicht abfangen, ohne seine Preise erhöhen zu müssen“, bilanziert Geschäftsführer Hans-Peter Scheerer.

Jürgen Gelis
Stadtwerke Rüsselsheim GmbH