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30 Millionen Jahre unter den Füßen Erstmals hat Budenheim einen Kultur- und Weinbotschafter

Mit Blick für Landschaft, Geschichte und Weinbau: Kultur- und Weinbotschafter Uwe Wannemacher will die besonderen Seiten Budenheims stärker in den Fokus rücken. Foto: privat

BUDENHEIM – Ortsgeschichte beginnt für Uwe Wannemacher tief unter der Erde. Geologie, Weinbau und Kultur gehören für ihn zusammen. Der Kultur- und Weinbotschafter stellte sich im Juni im Rahmen der Gemeinderatsitzung der Öffentlichkeit vor. Dabei erläuterte er seine Ausbildung, seine Angebote und seine Ziele für Budenheim.

Wannemacher arbeitete viele Jahre in einem internationalen IT Dienstleistungsunternehmen. Seit April ist er im vorzeitigen Ruhestand. Mit der Ausbildung zum Kultur‑ und Weinbotschafter, so der Diplom‑Geograph, habe er seine regionalen und fachlichen Wurzeln wiederentdeckt. Zudem ist er anerkannter Berater für deutschen Wein.  Wannemacher sieht in den qualifizierten Führungen, die die Kultur- und Weinbotschafter in der Region anbieten auch eine wichtige Aufgabe für Budenheim. Wie eine Fundgrube liegen die Schätze der Gemeinde vor ihm, meint man zu verstehen, wen man ihm zuhört. Besonders am Herzen liegt ihm das Gelände der ehemaligen Deponie. Heute gehört das Areal zum Golfplatz.

In seinen Führungen auf dem öffentlich zugänglichen Gelände, will er einen Bogen über rund 30 Millionen Jahre spannen. Mehrere Führungen fanden inzwischen einen Zuspruch, der auch ihn positiv überraschte. Er erklärte die geologischen Prozesse und die einstige Nutzung des Areals und zeichnete nach, wie sich die ehemalige Industriefläche Schritt für Schritt zur heutigen Landschaft entwickelt hat. Diese Verbindung verschiedener Epochen präge den Ort, erläuterte er im Gemeinderat.

Für Wannemacher besitzt das Gelände zudem gesellschaftliche Bedeutung. Budenheim habe eine heterogene Bürgerschaft. Gemeinsames Wissen über den Ort könne Menschen verbinden. Teilnehmer seiner Führungen seien oft überrascht, welche Geschichte und bundesweite Strahlkraft sich dort entdecken lasse. Viele entwickelten dadurch eine stärkere Beziehung zur Gemeinde.

Der Ansatz scheint anzukommen: Im Durchschnitt nähmen 20 Personen teil, rechnete er vor. Zugleich möchte Wannemacher weitere Zielgruppen erreichen. Vor allem jüngere Erwachsene seien bisher kaum vertreten.

Auch Führungen für Schulklassen könnte er sich vorstellen. Auf eine entsprechende Frage aus dem Gemeinderat zeigte er sich dafür offen. Im Rat stieß der Vorschlag auf Zustimmung.

Neben Budenheim führt Wannemacher zu weiteren Zielen in Rheinhessen. So zeigt er Teilnehmern in Gau-Odernheim im Frühjahr die größte Wildtulpenpopulation nördlich der Alpen. Oder versetzt Teilnehmer bei Fürfeld in die Zeit der Templer-Riiter zurück und zeigt ihnen das erste hochgotische Meisterwerk in Deutschland. In seinen Führungen verbindet er Weinbau mit Geologie und besonderen Böden, Natur und Geschichte. Auch seltene Pflanzen, historische Bauwerke und Landschaftsentwicklung greift er auf.

Für seine Angebote warb Wannemacher über verschiedene Kanäle wie https://www.kultur-und-weinbotschafter.de/rheinhessen/, https://www.rheinhessen.de/, Instagram und in der Lokalpresse. Was noch fehlt ist eine Homepage, die in Arbeit ist.

Im Gemeinderat warb Wannemacher stark dafür, die Vermittlung der Budenheimer Geschichte stärker zu unterstützen. Die Führungen könnten Wissen vermitteln und zugleich die Identifikation mit dem Ort fördern. Sein Ziel ist klar: Wer die Besonderheiten vor der eigenen Haustür kennt, soll Budenheim mit anderen Augen sehen.

Gregor Starosczyk-Gerlach