

OPPENHEIM – Ein neues Fachbuch über Friedrich Koch und die Anfänge der Chinin-Produktion rückt die industriegeschichtliche Bedeutung Oppenheims in den Mittelpunkt. Autor und Filmemacher Axel Nixdorf stellt darin Ergebnisse seiner langjährigen Recherche zu Leben und Wirken des Apothekers vor. Der Oppenheimer Geschichtsverein, der über die Veröffentlichung informiert und die Bucherscheinung unterstützt hat, bezeichnet die Publikation als „wegweisend“. Das Buch arbeite ein spannendes Kapitel der Industriegeschichte pointiert auf, teilt die Kunsthistorikerin Susanne Pohl, Vorsitzende des Oppenheimer Geschichtsvereins, dazu mit.
Dokumentarfilm bereits im Frühjahr 2025
Bereits im Frühjahr 2025 hatte Nixdorf seinen Dokumentarfilm „Friedrich Koch in Oppenheim und die Erfindung der chemisch-pharmazeutischen Industrie aus dem Geist der Apotheke“ vorgestellt, erinnert Pohl. Nun vertieft das gleichnamige Fachbuch die Forschungen. Präsentiert wurden die Ergebnisse an einem historischen Ort: in der ehemaligen Produktionsstätte für Chinin, die heute zum Weingut Bürgermeister Carl Koch gehört. Vor zahlreichem Publikum erläuterte Nixdorf Erkenntnisse aus seiner mehrjährigen, quellenbasierten Recherche. Nach Darstellung des Geschichtsvereins korrigiert die Untersuchung in wesentlichen Punkten einen Wissensstand, der seit mehr als 100 Jahren die Wahrnehmung Kochs geprägt habe.

Foto: Privat
Reich bebildertes Buch
Friedrich Koch zählt zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Oppenheimer Stadtgeschichte. In früheren Darstellungen erschien der Apotheker häufig als Nachzügler seiner Zeit und als Vertreter des Biedermeiers, der gegen eine schwerfällige Bürokratie kämpfte. Die von Nixdorf ausgewerteten Quellen zeichnen nach Angaben des Vereins ein anderes Bild. Eine besondere Rolle spielt dabei das originale Fakturabuch von Kochs Apotheke.
Das reich bebilderte Buch untersucht, wie Koch in Oppenheim die Chinin-Produktion aufbaute und welche Bedeutung diese Entwicklung für die entstehende chemisch-pharmazeutische Industrie hatte. Zugleich hinterfragt Nixdorf überlieferte Darstellungen eines Konflikts zwischen Koch und den Behörden. Nach seiner Recherche handelte es sich vielmehr um ein strategisches Kompetenzgerangel zwischen den Verwaltungen in Mainz und Darmstadt.
Dreidimensionale Rekonstruktionen, historische Bildstrecken und kaum veröffentlichte Porträtgemälde
Die Publikation ordnet Kochs Wirken zudem in die Veränderungen des 19. Jahrhunderts ein. Sie verbindet die Bekämpfung der Malaria am Rhein mit der Entwicklung der Naturstoffchemie und dem Aufbau internationaler Handelsnetzwerke. Aus dieser Perspektive erscheint Koch als früher Wegbereiter industrieller pharmazeutischer Produktion.
Das mit Unterstützung des Oppenheimer Geschichtsvereins erschienene Fachbuch „Friedrich Koch in Oppenheim und die Erfindung der chemisch-pharmazeutischen Industrie aus dem Geist der Apotheke“ betrachtet Koch insbesondere aus technik- und industriehistorischer Sicht. Enthalten sind dreidimensionale Rekonstruktionen, Reproduktionen bislang nicht veröffentlichter oder unbekannter Dokumente, historische Bildstrecken sowie zwei bislang nicht oder kaum veröffentlichte Porträtgemälde.
Das Buch kostet 19,80 Euro und ist im örtlichen Buchhandel, während der Öffnungszeiten in der Tourist-Information Oppenheim in der Merianstraße 4 sowie über das Online-Bestellformular des Autors erhältlich (https://nxdrf.de/bestellformular). Weitere Informationen zur Publikation stellt der Autor auf seiner Internetseite bereit.
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