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Ein Fest für die Sinne und Gänsehaut pur Monteverdis Marienvesper fasziniert in der Katharinenkirche

Gregor Meyer und das Ensemble bedanken sich. Foto: Sabine Longerich

OPPENHEIM – Die ehrwürdige Katharinenkirche in Oppenheim war Schauplatz eines herausragenden Konzerts im Rahmen der Reihe „KulturSINN Rhein-Selz“: Das Ensemble 1684 aus Leipzig und die Kantorei St. Katharinen Oppenheim präsentierten am ersten Sonntag im Juli auf eindrucksvolle Weise Claudio Monteverdis wohl bekanntestes geistliches Werk: die Marienvesper. Geleitet wurde die Aufführung von GewandhausChordirektor Gregor Meyer. Propsteikantor Ralf Bibiella zeichnete verantwortlich für die Einstudierung und Leitung des Kantorei-Chors, Dr. Katrin Bibiella für Korrepetition und Orgel. Der Pfarrer von St. Katharinen, Eric Bohn, selbst begeisterter Musiker, entführte das Publikum mit seiner Einleitung anschaulich in die Zeit der Entstehung. Und die beeindruckende Darbietung barocker Sakralmusik zog das Publikum von Beginn an in ihren Bann.

Monteverdis Marienvesper, veröffentlicht 1610 und eines der Hauptwerke geistlicher Musik des Frühbarocks, stieß seinerzeit die Tür auf zu einer aufregenden, vitalen Welt. Monteverdi hatte sich bereits als Revolutionär der italienischen Oper einen Namen gemacht und der Vatikan hatte sein neues Werk abgelehnt – wahrscheinlich war es zu kühn, zu gewaltig, zu revolutionär. In Venedig erzielte der Komponist dann damit seinen Durchbruch, man hieß ihn als neuen Kapellmeister an San Marco herzlich willkommen.

Kantorei vor dem Auftritt.
Foto: Sabine Longerich

Die allerersten Takte des schlichten gregorianischen Introitus führen uns auch zunächst in die Welt klösterlicher Abgeschiedenheit. Aber Sekunden später öffnet eine Fanfare mit Vokal- und Instrumentalstimmen schlagartig einen Klangraum, der mit seinem Wechsel von festlicher Prachtentfaltung und meditativer Versenkung bis zum letzten Ton auch heute noch die Menschen tief berührt. Die voll besetzte Kirche und das andächtig lauschende Publikum zeugten von der Faszination der Darbietung.

Claudio Monteverdi fordert mit diesem Werk sowohl Sänger als auch Instrumentalisten auf höchstem Niveau. Das Zusammenspiel der beiden Ensembles zeigte sich in der Katharinenkirche in großer musikalischer Harmonie. Vom eröffnenden „Domine ad adiuvandum“ bis zum prachtvollen „Magnificat“ gelang es den Sängern gemeinsam mit den Musikern des Ensemble 1684, die spirituelle Tiefe sowie die musikalische Vielfalt des Werks eindrucksvoll zu vermitteln. Musiker und Sänger präsentierten eine fein abgestimmte und dynamische Performance, die Monteverdis Meisterwerk fast greifbar lebendig werden ließ.

Ensemble1684.
Foto: Anne Hornemann.

Das Ensemble 1684, bekannt für seine authentischen Interpretationen „Alter Musik“, zeigte unter der Leitung von Gregor Meyer auch in Oppenheim seine hohe Kunstfertigkeit. Die historischen Instrumente (Zink, Violone, Dulzian und Lauten) trugen wesentlich zur Authentizität und Tiefe der Aufführung bei und ließen in berückender Weise die Klangwelt der Renaissance aufleben.

Die Kantorei St. Katharinen ergänzte die Leipziger perfekt. Der Chor überzeugte durch präzise Intonation, harmonische Ausgewogenheit und emotionale Ausdruckskraft. Die Sängerinnen und Sänger stellten die komplexen Strukturen der Marienvesper klar und durchsichtig dar.

Für Gänsehaut pur sorgten zudem Highlights wie „Duo Seraphim“ und „Nigra sum“, bei dem die Solisten des Vokalensemble 1684 ihre technische Brillanz und Feinfühligkeit in Sachen Interpretation unter Beweis stellten. In „Audi coelum“ verwendete man die Technik des Echo-Gesangs, bei der die Akustik der Kirche eine entscheidende Wirkung erzielte. Die Echo-Technik wurde so als charakteristisches Element des Stücks meisterhaft umgesetzt, mit der Empfindung eines fast dreidimensionalen Klangs. Sänger und Musiker verstanden es auf meisterhafte Weise, die subtilen Variationen in Dynamik und Timbre des Echos sorgfältig herauszuarbeiten.

Die Sängerinnen und Sänger bestachen bei ihrer Darbietung insgesamt durch beeindruckende Klarheit und Leichtigkeit. Und auch die Instrumentalstücke, wie „Sonata sopra Sancta Maria Ora pro nobis“, bewegten Zuhörerinnen und Zuhörern aufs Eindrücklichste.

Wegen der meisterhaften Darbietung sowie der feinen Akustik war das Konzert ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Sängerinnen, Sänger und Musizierende machten den Abend nicht nur zu einem musikalischen, sondern auch zu einem spirituellen Ereignis. Die Zuhörer wurden auf eine bewegende Reise in die Welt Monteverdis entführt, die noch lange nach dem letzten Ton nachhallen wird.

Zusammen mit sommerlicher Kulinarik und regionalem Wein auf dem Kirchplatz stellte das Konzert mit Sicherheit einen musikalischen Höhepunkt des KulturSINN Rhein-Selz-Angebots 2024 dar.

Sabine Longerich

Weitere Angebot von KulturSinn finden Sie unter www.kultursinn-rhein-selz.de, mehr zum Ensemble 1664 und der Kantorei unter www.ensemble1684.de und www.katharinen-kirche.ekhn.de.

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Bis zu meiner Pensionierung im November 2022 leitete ich die Stabsstelle Kommunikation und Presse der Unfallkasse Hessen in Frankfurt. Als Chefredakteurin für unser vierteljährliches Magazin inform mit dem Schwerpunkt Arbeit und Gesundheit war es meine Aufgabe, die Texte und Artikel zahlreicher Fachredakteure und Autoren anzufordern und lesergerecht zu optimieren. Ich selbst war mehr als 30 Jahre lang als Magazin-Autorin tätig, besonders als Interviewpartnerin für hessische Bürgermeister*innen und Unternehmensleitungen. Zusätzlich war ich als Pressesprecherin für die Kommunikation der Geschäftsführung zuständig.