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Mehr als 100 Gäste erinnern an die Niersteiner Mälzerei Geschichtsverein erhält zudem Landesförderung für historische Dokumente

Mehr als 100 Gäste erinnerten im Hof des Weinguts Altbürgermeister Gustav Strub gemeinsam mit dem Geschichtsverein Nierstein an die frühere Mälzerei und ihre Bedeutung für den Ort. Foto: Privat

NIERSTEIN – Mehr als 100 Gäste kamen in den Hof des Weinguts Altbürgermeister Gustav Strub, um gemeinsam mit dem Geschichtsverein Nierstein an die frühere Mälzerei zu erinnern. „Aus den Augen, aus dem Sinn?“ lautete das Motto des Abends. Die Antwort fiel eindeutig aus: Auch 14 Jahre nach ihrem Abriss hat die Malzfabrik einen festen Platz in der Erinnerung vieler Niersteiner.

In der von Vorstandsmitglied Jörg Adrian moderierten Gesprächsrunde berichteten ehemalige Beschäftigte und Zeitzeugen von ihrem Arbeitsalltag. Sie erzählten von körperlich anstrengenden Tätigkeiten, der Qualitätskontrolle im Labor und der Betreuung kleiner Kinder von Mitarbeiterinnen durch die Ehefrau des Betriebsleiters.

Auch Geschichten vom früheren Werksgelände kamen zur Sprache. Dazu gehörten die Eisenbahngleise vom Rheinufer zum Hauptgleis und eine Lok, die einst zu schnell unterwegs war und im Flügelsbach landete. Die Berichte machten zugleich deutlich, welchen Stellenwert die Malzfabrik als großer Arbeitgeber für Nierstein hatte.

Auch im Weingut selbst haben Spuren der Mälzerei überdauert. Thomas Strub präsentierte die Stechkartenkartei der Arbeiter und eine Theke, für die Materialien aus der früheren Mälzerei verwendet wurden. Historische Fotografien mit Ansichten aus den Jahren 1870 bis 2012 wanderten von Tisch zu Tisch und regten weitere Gespräche an.

Zum Auftakt hatte Dr. Susanne Bräckelmann, Zweite Vorsitzende des Geschichtsvereins, die knapp 500-jährige Geschichte des Areals an der Rheinstraße skizziert. Anhand historischer Pläne aus dem Niersteiner Stadtarchiv zeigte sie, wie sich Bebauung und Nutzung des Geländes seit 1521 veränderten.

Mit 20.000 Euro unterstützt das Land Rheinland-Pfalz erneut die Restaurierung geschädigter historischer Dokumente im Niersteiner Stadtarchiv. Insgesamt können 2026 rund 50.000 Euro in die Sicherung der Bestände investiert werden. Foto: privat

Die Geschichte des Areals bis in die 1950er-Jahre soll in der nächsten Ausgabe der Geschichtsblätter nachzulesen sein, die Anfang Dezember 2026 erscheint. Für 2027 ist eine Fortsetzung geplant. Beiträge, Erinnerungen und historische Fotos sind weiterhin willkommen.

Zugleich gibt es eine weitere Nachricht zur Bewahrung der Niersteiner Geschichte: Die Stadt und der Geschichtsverein erhalten 2026 erneut Fördermittel des Landes Rheinland-Pfalz für die Rettung teils schwer geschädigter Dokumente im Stadtarchiv. Bewilligt wurden 20.000 Euro. Es ist der siebte Förderantrag in Folge, dem das Land zustimmt.

Damit können im laufenden Jahr insgesamt rund 50.000 Euro in die Bewahrung historischer Dokumente investiert werden. Neben der Landesförderung stehen 20.000 Euro aus zweckgebundenen Spenden des Geschichtsvereins und 10.000 Euro aus Haushaltsmitteln der Stadt zur Verfügung. „Die Spendenbereitschaft ist überwältigend und für dieses Projekt von enormer Bedeutung“, betont Bräckelmann, die auch ehrenamtliche Archivbeauftragte der Stadt ist.

Der aktuelle Restaurierungsauftrag umfasst Quellen zur Organisation und Verwaltung der Gemeinde Nierstein vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Nach Abschluss der Arbeiten werden 90 Prozent der geschädigten historischen Akten restauriert sein. Im kommenden Jahr sollen die letzten 27 Akten folgen und das Projekt „Lückenschluss in Nierstein“ abschließen.

Stadtbürgermeister Jochen Schmitt dankte Bräckelmann ausdrücklich für ihre ehrenamtliche Archivarbeit. Sie habe die Sicherung der Bestände mit großer Akribie vorangetrieben und bereits Fördermittel in Höhe von mehreren Zehntausend Euro für die Stadt eingeworben.

Erinnerungen, Berichte, Fotos und weitere Hinweise zur Geschichte der Niersteiner Mälzerei nimmt der Geschichtsverein weiterhin per E-Mail an mail@geschichtsverein-nierstein.de entgegen.

red