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NABU beringt Nachwuchs in Bodenheim Artenschutz >>> Drei junge Steinkäuze erhalten ihren „Personalausweis“

Alexander Neu vom NABU befestigt den Ring am Jungvogel. Foto: Torsten Jäger

BODENHEIM – Drei kleine Steinkäuze sitzen dicht gedrängt in ihrer Brutröhre im Walnussbaum eines Gartengrundstücks in Bodenheim. Für den erfahrenen NABU-Beringer Alexander Neu ist es ein erfreulicher Termin: Die drei Jungvögel erhalten ihre individuellen Kennringe – gewissermaßen ihren persönlichen „Personalausweis“.

Die Nisthilfe wurde 2019 von der Naturschutzgruppe Bodenheim installiert und unmittelbar vom Steinkauz angenommen. Seitdem gibt es dort Jahr für Jahr Nachwuchs. „Das war unser erstes erfolgreiches Artenschutzprojekt – noch vor dem ErLebensraum“, berichtet Torsten Jäger, Leiter der Naturschutzgruppe Bodenheim. „Deshalb haben wir den Steinkauz auch für unser Vereinslogo gewählt.“

Der kleine Steinkauz hat keine Angst vor Menschen. Foto: Torsten Jäger

Die Beringung dient der wissenschaftlichen Überwachung einer gefährdeten Vogelart. Anhand der nummerierten Ringe können Ornithologen den Lebensweg einzelner Tiere nachvollziehen. So lassen sich Alter und Lebensdauer bestimmen, Bruterfolge dokumentieren und Wanderbewegungen verfolgen. Gleichzeitig liefern die Daten wichtige Hinweise darauf, ob Schutzmaßnahmen erfolgreich sind.

Die Beringung erfolgt meist, wenn die Jungvögel zwei bis drei Wochen alt sind. Heute wartet dabei eine kleine Überraschung: Gleich drei gesunde Jungkäuze befinden sich in der Röhre. Ein Elternvogel ist dagegen nicht anzutreffen. „Die Jungen sind inzwischen recht ruppig und für die Eltern etwas anstrengend geworden“, erklärt Torsten Jäger mit einem Schmunzeln. Sie kümmern sich aber weiterhin um die Futterversorgung. Sollte sich einmal ein Elternteil in der Nisthilfe befinden, wird auch dieses kontrolliert und gegebenenfalls beringt.

Der Steinkauz zählt zu den kleinsten heimischen Eulenarten. Mit seinem rundlichen Kopf, den großen gelben Augen und seinem fast koboldhaften Ausdruck wirkt er besonders sympathisch. Anders als viele andere Eulen ist er nicht ausschließlich nachtaktiv, sondern häufig auch tagsüber zu beobachten.

Der Jungvogel blickt neugierig und unerschrocken in die Welt. Foto: Torsten Jäger

„Der Steinkauz ist ein Laufjäger und kein reiner Ansitzjäger“, erläutert Torsten Jäger. „Er beobachtet seine Umgebung zunächst von Pfosten oder Ästen aus, jagt dann aber oft hüpfend oder laufend am Boden.“ Deshalb sei die Art auf kurz gehaltene Wiesen oder Flächen mit niedrigem Bewuchs angewiesen. Auch natürliche Bruthöhlen seien inzwischen selten geworden. „Durch den Mangel an alten Bäumen braucht der Steinkauz heute vielerorts künstliche Nisthöhlen.“

Der Steinkauz gilt als bedrohte und besonders geschützte Art. Für Rheinland-Pfalz wird der Bestand auf etwa 300 Brutpaare geschätzt. Der Rückgang der Art hängt vor allem mit dem Verlust alter Streuobstwiesen, dem Verschwinden natürlicher Höhlenbäume und dem Einsatz von Pestiziden zusammen. Umso wichtiger sind lokale Schutzprojekte wie in Bodenheim. Dass dort seit sieben Jahren regelmäßig junge Steinkäuze ausfliegen, zeigt, dass gezielte Naturschutzmaßnahmen wirken können. Die Naturschutzgruppe Bodenheim hat seit 2019 an drei Standorten im Ort entsprechende Steinkauzröhren installiert. Betreut werden die Bruten vom NABU Mainz und Umgebung. Neben Beringer Alexander Neu engagiert sich dabei insbesondere Gudrun Andreas-Weinberger für die Betreuung der Käuze.

Red