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Alleinsam beim 52. Open Ohr Festival Gesellschaftliche Isolation auf der Zitadelle überwunden

Während auf der Bühne Musik erklingt, begegnen im Hintergrund Menschen einander. Die Atmosphäre, in der das geschieht, ist vermutlich die Komponente, wegen der das Open Ohr Festival so beliebt ist. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

MAINZ – Das 52. Open Ohr Festival auf der Mainzer Zitadelle geht zu Ende. In diesem Jahr stand die Problematik des Alleinseins und der Isolation vor dem Hintergrund der Gesellschaft als Ganzes im Zentrum. Der Titel lautete „Alleinsam“. Damit rückte das Festival viele grundsätzliche Fragen in den Fokus.

Eigene Erfahrungen und gemeinsame Fragen

Mit Filmen, Konzerten, Workshops, Theateraufführungen und Diskussionsrunden sollten eigene Erfahrungen geteilt und Forderungen formuliert werden. Ziel war es, den Auswirkungen von Vereinsamung entgegenzusteuern. Eine interessante Form des Nicht-allein-, aber Für-sich-Seins bot dabei bereits die bloße Anwesenheit auf dem Festival. Wer auf der Zitadelle unterwegs war, konnte das individuelle Erleben mit dem Gefühl verbinden, zugleich in eine größere Gemeinschaft einzutauchen.

Kein Open Ohr ohne Seifenblasen: An mehreren Stellen stiegen sie über dem Festivalgelände auf und wurden zum optischen Begleiter der Konzerte. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Der Wunsch, dabei zu sein

Klar gab es auch Beschwerden darüber, dass Tickets nach wie vor als teuer empfunden werden. Für einen Tag wurden 36 Euro fällig. Aber solche Diskussionen gibt es fast überall, und immer ist irgendetwas teurer geworden. Der Wunsch, dabei zu sein, war auf dem Festivalgelände dennoch erneut deutlich zu spüren.

Immer wieder traf man Gruppen, die schon seit gefühlten Ewigkeiten beim Open Ohr dabei sind. Manche hatten inzwischen die zweite oder nächste Generation dabei und gewöhnten Kinder im Wagen oder an der Hand an diese politische Ausnahme auf Zeit. Natürlich waren manche Kinder und Jugendliche vielleicht zum ersten Mal dort. Doch die besondere Atmosphäre, in der irgendwie jeder willkommen geheißen wurde und sich fühlen konnte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, war nicht abzusprechen.

Willkommen ohne Zwang

An manchen Ständen, etwa beim Stand des Festivalvereins, wurde man direkt mit „Herzlich willkommen“ begrüßt. Ergänzt durch den Hinweis, dass „hier jeder  mit offenen Armen empfangen“ werde. Dieses Gefühl, wirklich da sein zu dürfen, prägte das Festival. Wer Musik wollte, konnte Musik hören, wer Diskussionen suchte, konnte Diskussionen besuchen, wer die Angebote an den Ständen sehen, erleben oder genießen wollte, konnte das tun.

Bei der Theatervorstellung am Abend sagten Bäume den Menschen die Zukunft voraus. Auch solche Szenen gehörten beim Open Ohr Festival zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Alleinsam“. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Geduld als Teil der Atmosphäre

Auch die Geduld gehörte zur Atmosphäre. Keine Hektik, geduldiges Anstehen für das Essen, das manchmal lange dauerte: All das bildete einen angenehmen Hintergrund für die Vorstellung einer Gesellschaft, in der jeder seinen Platz finden kann. Jeder durfte im individuellen Outfit, mit eigenem Verhalten und eigener Haltung so sein, wie er wollte.

In der Summe ergab das eine bunte, vibrierende, tanzende, liegende, schlafende, hüpfende, lächelnde, rauchende, trinkende und essende Community. Außerdem gilt: Kein Open Ohr ohne Seifenblasen. An mehreren Stellen arbeiteten Maschinen, die Seifenblasen produzierten und damit einen optischen Hintergrund für die Konzerte schufen.

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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Gregor Starosczyk-Gerlach: Redaktionsleiter für Journal LOKAL Rheinhessen. Erfahrener Journalist und Fotograf für Journal LOKAL seit 2013. Experte für Lokalmedien mit Schwerpunkt Rheinhessen und Mainz. Theologiestudium als Inspirationsquelle für faszinierende Alltagsgeschichten.