
MAINZ – Das 52. Open Ohr Festival auf der Mainzer Zitadelle geht zu Ende. In diesem Jahr stand die Problematik des Alleinseins und der Isolation vor dem Hintergrund der Gesellschaft als Ganzes im Zentrum. Der Titel lautete „Alleinsam“. Damit rückte das Festival viele grundsätzliche Fragen in den Fokus.
Eigene Erfahrungen und gemeinsame Fragen
Mit Filmen, Konzerten, Workshops, Theateraufführungen und Diskussionsrunden sollten eigene Erfahrungen geteilt und Forderungen formuliert werden. Ziel war es, den Auswirkungen von Vereinsamung entgegenzusteuern. Eine interessante Form des Nicht-allein-, aber Für-sich-Seins bot dabei bereits die bloße Anwesenheit auf dem Festival. Wer auf der Zitadelle unterwegs war, konnte das individuelle Erleben mit dem Gefühl verbinden, zugleich in eine größere Gemeinschaft einzutauchen.

Der Wunsch, dabei zu sein
Klar gab es auch Beschwerden darüber, dass Tickets nach wie vor als teuer empfunden werden. Für einen Tag wurden 36 Euro fällig. Aber solche Diskussionen gibt es fast überall, und immer ist irgendetwas teurer geworden. Der Wunsch, dabei zu sein, war auf dem Festivalgelände dennoch erneut deutlich zu spüren.
Immer wieder traf man Gruppen, die schon seit gefühlten Ewigkeiten beim Open Ohr dabei sind. Manche hatten inzwischen die zweite oder nächste Generation dabei und gewöhnten Kinder im Wagen oder an der Hand an diese politische Ausnahme auf Zeit. Natürlich waren manche Kinder und Jugendliche vielleicht zum ersten Mal dort. Doch die besondere Atmosphäre, in der irgendwie jeder willkommen geheißen wurde und sich fühlen konnte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, war nicht abzusprechen.
Willkommen ohne Zwang
An manchen Ständen, etwa beim Stand des Festivalvereins, wurde man direkt mit „Herzlich willkommen“ begrüßt. Ergänzt durch den Hinweis, dass „hier jeder mit offenen Armen empfangen“ werde. Dieses Gefühl, wirklich da sein zu dürfen, prägte das Festival. Wer Musik wollte, konnte Musik hören, wer Diskussionen suchte, konnte Diskussionen besuchen, wer die Angebote an den Ständen sehen, erleben oder genießen wollte, konnte das tun.

Geduld als Teil der Atmosphäre
Auch die Geduld gehörte zur Atmosphäre. Keine Hektik, geduldiges Anstehen für das Essen, das manchmal lange dauerte: All das bildete einen angenehmen Hintergrund für die Vorstellung einer Gesellschaft, in der jeder seinen Platz finden kann. Jeder durfte im individuellen Outfit, mit eigenem Verhalten und eigener Haltung so sein, wie er wollte.
In der Summe ergab das eine bunte, vibrierende, tanzende, liegende, schlafende, hüpfende, lächelnde, rauchende, trinkende und essende Community. Außerdem gilt: Kein Open Ohr ohne Seifenblasen. An mehreren Stellen arbeiteten Maschinen, die Seifenblasen produzierten und damit einen optischen Hintergrund für die Konzerte schufen.
Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach






















