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Beim Pfingstfest in den Ober-Olmer Wald eingetaucht Der kleinste Wald Rheinhessens wurde zum Erlebnisraum

Mit Unterstützung von Förster Jan Hoffmann wagt sich ein junger Besucher beim Pfingstwaldfest in luftige Höhen. Die Kletteraktion verband Bewegung mit spielerischer Entdeckung der Artenvielfalt im Wald. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

OBER-OLM – An den Pfingsttagen verwandelte sich der Ober-Olmer Wald in eine Stätte, in der man sich dem kleinsten Wald Rheinhessens auf spielerische, intensive, überraschende und spannende Weise nähern konnte: Oder einfach in ihn eintauchte. Die Aktion war ein Teil der Woche der Artenvielfalt in Mainz. Der Ober-Olmer Wald grenzt an die Stadtteile Lerchenberg, Drais und Finthen.

Der Wald wurde dabei selbst zum Erlebnisraum

Wunderbare Mitmachangebote und Exkursionen zogen besonders Familien mit Kindern an. Dahinter steckte weit mehr als ein Programm für einige Stunden im Schatten der Bäume. Der Wald bot an den warmen Maitagen zwar eine angenehme Alternative zu aufgeheizten Flächen und Betonlandschaften. Vor allem aber entstand der Eindruck, dass Besucher hier einen anderen Zugang zur Natur finden sollten.

Statt Wege einfach entlangzugehen, wurde genauer hingeschaut, hingehört und ausprobiert. Geräusche, Pflanzen, Zusammenhänge und Lebensräume rückten in den Mittelpunkt. Besucher bewegten sich durch den Wald und schienen gleichzeitig tiefer in ihn einzutauchen.

Den Wald einmal anders wahrnehmen: Beim akustischen Projekt „Hearing the Unknown“ begleiteten Klänge, Geräusche und neue Perspektiven die Teilnehmer auf ihrem Weg durch den Ober-Olmer Wald. Foto: Florian Schmidt

Artenvielfalt spielerisch entdecken

Bereits zum fünften Mal fand das Pfingstwaldfest statt. „Jeder Stand hat so einen kleinen Aspekt Artenvielfalt mit dabei“, erläuterte Leonie Münzer vom Forstamt Rheinhessen.

Am Kletterstand warteten kleine Entdeckungen zwischen den Ästen. „Da hängen so kleine Kärtchen in der Baumkrone und wenn die Kinder hochklettern, sehen sie die dann“, sagte Münzer. Rund um einen Baum und an ihm selbst lebe schließlich deutlich mehr, als auf den ersten Blick sichtbar werde.

Ein Memo-Spiel beschäftigte sich mit ungewöhnlichen Arten des Waldes. „Die haben manchmal richtig blöde Namen eigentlich“, sagte Münzer und lachte. Über die App iNaturalist konnten Besucher außerdem Arten fotografieren und dokumentieren.

Die Angebote vermittelten Wissen oft beinahe unbemerkt. „Manchmal ziehen die Kinder die Erwachsenen auch mit und sagen dann: Wir müssen das auch so machen zu Hause“, schilderte Münzer.

Den Wald hören

Wie ungewöhnlich die Zugänge zum Wald ausfallen konnten, zeigte ein Angebot aus Köln. Auf Einladung des Forstamtes entwickelte das Studio SOM den akustischen Waldspaziergang „Hearing the Unknown“.

„Der akustische Waldspaziergang lädt die Menschen ein, sich mit dem Wald wieder neu zu verbinden und sich den Geräuschen zu nähern“, sagte Janine Blöß vom Studio SOM.

Vor dem eigentlichen Spaziergang sollten die Sinne geöffnet werden. Was lässt sich hören? Was riechen? Was verändert sich, wenn man sich langsamer bewegt? Anschließend begleiteten Vogelstimmen, Insekten, Blätterrascheln und weitere Klänge die Teilnehmer.

„Wir blicken nicht von außen auf den Wald, sondern in dem Moment, wo wir im Wald stehen, sind wir auch Teil dieses Systems“, sagte Blöß. Was am Ende bleiben solle, sei „eine Sensibilisierung für alles Lebendige, was im Wald ist“.

In der Druckwerkstatt konnten Kinder Formen und Strukturen entdecken und ihre Eindrücke als eigene Bilder auf Papier festhalten.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Raum für spontane Begegnungen

Auch spontane Begegnungen fanden ihren Platz. Von der Philippos Ranch aus Ober-Olm kamen Reiter zunächst ohne feste Planung zum Fest. „Wir sind gestern vorbeigeritten und haben dann gefragt, ob wir Ponyreiten mit anbieten sollen“, berichteten sie.

Am nächsten Tag kamen sie mit vier Tieren zurück. Besonders Kinder nahmen das Angebot an. In Erinnerung blieb auch ein älterer Besucher, der erzählt habe, seit Jahrzehnten durch den Ober-Olmer Wald zu gehen – und nun den Wunsch hatte, ihn einmal vom Rücken eines Pferdes aus zu erleben.

Vielleicht war das ein prägender Eindruck für die Besucher: Die Gelegenheit den Wald zu erleben.

Gregor Starosczyk-Gerlach