Start Rheinhessen/Mainz Gemeinschaftssinn und Naturpflege Das Bachpatenprogramm an der Selz wächst weiter

Gemeinschaftssinn und Naturpflege Das Bachpatenprogramm an der Selz wächst weiter

Bachpatin Ulrike Schaeffer zeigt Lisa-Marie Luley vom Selzverband eine mögliche Flussbehinderung. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

MAINZ-BINGEN – Die Pflege der lokalen Wasserläufe gewinnt zunehmend an Bedeutung in den rheinhessischen Gemeinden entlang der Selz. Bereits seit 1996 engagieren sich Bürgerinnen und Bürger als sogenannte Bachpaten, um die natürliche Schönheit und ökologische Integrität des Baches zu erhalten. Das Bachpatenprogramm wird vom Landesamt für Umwelt, Mainz betreut sowie für die Selz vom Selzverband, als Gewässerunterhaltungspflichtiger.

Die Arbeit des Verbandes ist umfangreich und vielfältig, wie Lisa-Marie Luley und Matthias Schmitt vom Selzverband bei einem Termin vor Ort erzählen. Auf einen Nenner gebracht kümmert er sich um die Pflege des Gewässers und des umliegenden Uferbereichs, unter anderem um die Beseitigung von Abflusshindernissen, die den Wasserfluss behindern könnten.

Lisa-Marie Luley und Matthias Schmitt vom Selzverband im Gespräch mit Bachpatin Ulrike Schaeffer in Stadecken-Elsheim.

Zusätzlich zur Unterhaltung der Gewässer ist auch deren Renaturierung Aufgabe des Selzverbandes – in den vergangenen mehr als 30 Jahren ist das Gewässer der Bach demnach an mehreren Streckenabschnitten renaturiert worden – zwischen Nieder-Olm und Sörgenloch, in Hahnheim, in Gau-Odernheim und Ingelheim beispielsweise.

Genau an dieser Stelle kommen die ehrenamtlichen Bachpaten wie Ulrike Schaeffer ins Spiel. Die ehemalige Cellistin des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz fand ihre Motivation durch einen Zeitungsartikel über das Projekt bestätigt.

„Ich gehe sowieso gerne an der Selz spazieren oder joggen, sodass sich dieses Ehrenamt anbot“, erklärt Schaeffer. Sie hat Kontakt zu Luley aufgenommen und bald danach, im November 2023, den Bachpatenschaftsvertrag unterzeichnet. Einmal in der Woche oder auch alle 14 Tage reiche es, den vereinbarten Abschnitt abzulaufen, sagt sie.

„Wenn ich etwas im Wasser sehe, was den Flusslauf womöglich behindern könnte, zücke ich mein Smartphone, schieße ein Foto und sende es an Frau Luley.“ Das war’s. Danach übernimmt der Selzverband. Der Fotoinhalt wird begutachtet und bei Bedarf einer Firma zum Einsatz geschickt. „Um Gottes Willen, die Paten müssen die Sachen nicht selbst aus dem Wasser fischen“, sagt Luley schmunzelnd.

Die Kombination aus persönlichem Interesse und lokalem Engagement hat inzwischen elf Personen zur Patenschaft motiviert. Die Übersicht darüber, wer welche Abschnitte im Auge behält, hat der Selzverband, der bei der Kreisverwaltung Mainz-Bingen angesiedelt ist.

„Meistens geht das Interesse der Bewerber für bestimmte Abschnitte vor“, so Luley, die sich über „jeden Zuwachs in der Bachpatenfamilie“ freut. Hinzustoßen können übrigens auch Vereine wie der ASV Ober-Olm es tat. „Wir versuchen die Bachpaten dann versetzt einzusetzen, sodass wir die große Strecke abdecken können.“

Die Selz schlängelt sich auf einer Strecke von rund 60 Kilometern durch die Landschaft – von ihrer Quelle im pfälzischen Orbis, quer durch Rheinhessen, bis sie schließlich in den Rhein bei Frei-Weinheim mündet. Zuständig ist der Selzverband allerdings für die letzten 50 Kilometer. Derzeit werden Interessenten für die Abschnitte bei Framersheim, Gau-Odernheim, Friesenheim, Köngernheim, Hahnheim/Selzen, Nieder-Olm und Ingelheim gesucht.

Die regelmäßigen Spaziergänge am Bach bleiben nicht wirkungslos. Jedenfalls ist es bei ihr so, meint Schaeffer, dass „ich jetzt eine stärkere Bindung verspüre, eine die vorher so nicht da war.“ Das ist womöglich der bessere Lohn, den die Bachpaten erhalten.

Wer Bachpate werden möchte, kann sich beim Selzverband melden. Kontakt: Lisa-Marie Luley, Telefon 06132/7872165, E-Mail: Luley.Lisa-Marie@mainz-bingen.de. Mehr Infos zu den Bachpaten gibt es unter www.mainz-bingen.de.

Gregor Starosczyk-Gerlach