
HECHTSHEIM – Der Standpunkt der Freiwilligen Feuerwehr Hechtsheim ist „denkbar schlecht“. Zu diesem Schluss kam Silja Baron von der auf Hochwasser- und Starkregenschutz spezialisierten Pecher GmbH bei einer Veranstaltung zum Thema im Bürgerhaus. Die Feuerwehr liege an einem der tiefsten Punkte des Stadtteils, der bei einem so genannten Jahrhundert-Regenereignis schnell volllaufen könnte. „Bei einem Wasserstand von einem Meter kommt auch ein Feuerwehrfahrzeug da nicht mehr raus“, sagte die Ingenieurin und gab den dringenden Tipp, bei dem in Rede stehenden möglichen Umzug der Wehr an einen neuen Standort diese Risiken im Kopf zu behalten.
Baron war mit ihren Kollegen Samuel Marstaller und Carolin Dahlem sowie mit Michael Paulus und Manfred Nüsing vom Wirtschaftsbetrieb Mainz nach Hechtsheim gekommen, um die bei mehreren Ortsbegehungen zusammengetragenen Erkenntnisse und Hinweise von Bürgern zu Überschwemmungen bei Starkregen vorzustellen und das erarbeitete Starkregen- und Hochwasservorsorgekonzept (SHVK) vorzustellen sowie Tipps für Eigenmaßnahmen zu geben. Anhand von Kartenmaterial erörterten sie außerdem so genannte „Worst Case Szenarien“ für Teile von Hechtsheim. „Wir wollen nicht noch einmal Kartoffeln durch den Ort schwimmen sehen“, erinnerte Ortsvorsteherin Ulrike Cohnen (CDU) an das jüngste große Regenereignis 2023, als von den im Süden gelegenen Hängen das Wasser herunterrauschte und auch wegen verstopfter Abflussrinnen und Rohre ungebremst mitsamt dem Gemüse über die Straßen schwemmte.
Marstaller erklärte die Bedeutung von Regenereignissen, die in Starkregenindex und Jahrhundertereignissen gemessen werden und erläuterte die Farben von Rosa bis Dunkelrot auf dem Kartenmaterial. Vor allem vom Süden ergebe sich eine „Wasser-Einfluss-Schneise“, die bei Starkregen zur Gefahr werden könne. Denn wenn Abwasserrinnen zugewachsen oder unerlaubt überbaut sind, könne es schnell zu Stauungen führen, die einen geregelten Abfluss in Kanäle nicht mehr zulassen. Um Wasserläufe wie etwa den Wildgraben entlang der Militärstraße auszubremsen, könnten Kaskaden angelegt werden, so hätte das Wasser Zeit zu versickern. Gleiches können auch leichte Senken in Wiesen und am Wegesrand bewirken. Außerdem müssten Schächte und Gitter zu den Kanälen regelmäßig gesäubert werden.
Vorsorge ist Gemeinschaftsaufgabe, appellierten die Pecher-Vertreter an die Bürger. „Eigentum verpflichtet“, einfach auf eine Elementarschadenversicherung zu bauen, reiche nicht aus. Man könne versiegelte Flächen am Haus öffnen, den Rasen mit leichter Senke anlegen. Kleine Mauern an Kellerschächten und Treppenabgängen schützen. Sinnvoll zum Schutz des Eigentums sind kleine Mauern vor Kellerschächte und Treppenabgänge oder mobile Schutzvorrichtungen vor Garagen.
Auch entlang des Gewerbegebiets in Richtung Ortsmitte zeigte eine Karte, wie sich Wasser über den Mühlweg ergießen könnte. Hier allerdings seien ein Regenrückhaltebecken und eine Lärmschutzmauer als „Damm“ nicht berücksichtigt worden, sagte Baron. Der Schinnergraben sei heikel. „Hier wurde der Wildgraben in Rohre verlegt. Heute sind dort Gärten, in die regelmäßig das Wasser von den Straßen herunter abfließt. Hier seien Wohnungen und Garagen stark gefährdet. „Viele Fenster und Türen reichen bis zum Boden, das ist auch bei der Grundschule und der IGS so.
Die Vertreter der Pecher GmbH und vom Wirtschaftsbetrieb machten sich noch Notizen zu den Fragen und Anmerkungen der anwesenden Bürger. Mit den Ergänzungen soll dann das SHVK für Hechtsheim ins Reine geschrieben und veröffentlicht werden.
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